Die zweite Ausgabe des Blogworms steht in den Startlöchern und ich möchte mich hier nochmal über den Support aus allen Ecken des Stonerversums bedanken.
Vielen Dank für eure Beiträge, vielen Dank für das Teilen und Bekanntmachen des Blogs! Es wird in den nächsten Wochen einige spannende Themen über Einzelpersonen, Labels, Festivals und noch vieles mehr geben, also... stay tuned und haut euch die nächste Ausgabe des Blogs über den deutschsprachigen Heavy Underground mitsamt seiner Peripherie rein!
Heute in der Story habe ich ein Interview mit Arne und Stefano von Fuzzytime geführt, ich würde mittlerweile fast sagen zwei Galeonsfiguren der deutschen Stonerszene. Die beiden bilden ein festes Gespann auf YouTube und sind wahrscheinlich jedem aus dem deutschsprachigen Stonerkosmos ein Begriff. Immer Sonntags um 4:20 gibt es eine frische Folge der symphatischen Nordlichter, wobei hier verschiedene Themen aus dem Stoner, Doom, Psychedelic und Metal Bereich aufgegriffen werden. Mittlerweile ist Stefano darüber hinaus noch ordentlich mit seiner Band Kuyper unterwegs, welche am 01. August ihr langerwartetes Album auf den Markt bringt und bringt sich als Bindeglied für die deutsche Szene ein, veranstaltet Konzerte, promotet Bands und Releases und bringt eine ganze Menge Spirit in den Underground. Arne spielt bei Brazing Bull und ballert mit seinen Jungs ebenfalls eine ordentliche Prise harter Gitarrenmusik auf die Festivals und Bühnen der Republik. Stellvertretend für die beiden hat Stefano meine Fragen beantwortet.
Moin, wie kam es zur Idee mit Fuzzytime und warum war für euch gerade das YouTube Format so attraktiv?
Vielen Dank für die herzlichen Worte! Ob Galionsfigur passt, weiß ich nicht, aber ich würde sagen, ein Dude mit gewisser Liebe zur Musik, insbesondere Stoner und allem, was dazu gehört.
Arne und ich kennen uns schon durch viele gemeinsame Gigs mit seiner Band Brazing Bull und meinen teils vergangenen Bands. Wir sind über die Jahre Freunde geworden und als sein Podcast zu Ende ging, haben wir uns zusammengesetzt und die Idee mit FuzzyTime ausgearbeitet. Er wollte was im Videoformat auf Youtube machen und ich wollte über meine Leidenschaft zum Stoner reden. Das passte einfach zusammen!
Ich kann mich daran erinnern, dass du gerade in älteren Folgen immer wieder versucht hast, Arne von verschiedenen Stonerbands zu überzeugen und seine Reaktion der Unverständnis oft eine Art Running Gag innerhalb des Fuzzytime Universums wurde. Hat sich das mittlerweile geändert und Arne kommt zum Beispiel auch mal mit einem Genrevertreter zu einer Folge?
Der Running Gag ist weiterhin da, aber wenn wir Anfragen bekommen und Arne muss sich durcharbeiten, weil ich wieder aufm Festival rumhänge und ihm ganz viel Videomaterial mitbringe, waren da schon ein paar Bands die er dann auch dabei haben wollte. Lazer aus der Schweiz beispielsweise und da hat er mich auch total überrascht, oder neulich hat er mir eine talentierte Band aus Kiel von der insound Session gezeigt und auf das Potential hingewiesen. Es wird also so langsam.
Man bemerkt schon eine gewisse Entwicklung, die eure Reihe durchgemacht hat. Während es früher gefühlt mehr um einzelne Bands, Festivals, Promoting usw. ging, geht es mittlerweile auch um sehr viele tiefliegende Gedankenspiele wie zum Beispiel dem Sterben kleiner Festivals oder den Zustand der Szene. Das macht euch in einem gewissen Maße einzigartig und ihr spannt hier wirklich einen tollen Spannungsbogen von Musik zum Alltag und ernsten Themen vieler Stonerfreunde. War das ein gewollter Schritt und wie kam es dazu?
Gewollt vielleicht nicht, aber es hat sich von allein dahin entwickelt. Wenn ich mit Kuyper oder FuzzyTime unterwegs bin, spreche ich ja auch viel mit Veranstaltenden, Bands und dem Publikum. Auch aus den Kommentaren unter unseren Videos ergibt sich viel Kontext.
In den letzten Jahren hatte ich eigentlich mehr das Gefühl, dass hier etwas wächst, verschiedene Elemente mit in den „gebräuchlichen“ Stoner einfließen und so allgemein die Vielfalt an Bands und verbundener Genres zunimmt und man hier einen guten Nährboden verschiedener Bands vor sich hat. Allerdings ist es gefühlt seit diesem Jahr anders, oder es fällt mir durch ein paar Videos von euch mehr auf. Wie siehst du denn generell die Entwicklung des Stoners bzw. der deutschen Szene im insbesonderen?
Die Entwicklung ist an sich spannend zu sehen. Als Band ist es heute halt umso wichtiger auf sich aufmerksam zu machen, musikalisch wie auch auf Social Media.
Aktuell würde ich sagen, dass Retro wieder sehr angesagt ist, also mit Elementen aus beispielsweise Krautrock bzw. 70s Rock und Groove ist derzeit viel zu gewinnen. Beste Beispiele aktuell: Go Mahhh, Kombynat Robotron und Yeast Machine oder der Hang zum extremen wie beispielsweise Daevar mit Doom- oder Daily Thompson mit Grunge- Einflüssen.
Am Ende ist natürlich auch nicht ganz unwichtig, welche Möglichkeiten die Bands bekommen bzw nutzen in Sachen Promotion bzw Label Arbeit. Der klassische Stoner fällt da fast ein wenig raus, denn auch das Publikum giert nach neuem frischen Schwung und die kleinen Bühnen werden ja regelmäßig überrannt.
Schwierig wird's halt für die richtigen Underground Bands, wo die Mittel wie Geld, regionale Lage oder Connections nicht so gegeben sind. Um überhaupt ins Gespräch zu kommen, ist sehr viel Arbeit und teilweise auch Geld nötig. Da müssen wir uns nichts vormachen.
Eine weitere Entwicklung die weitaus größer und problematischer ist, ist das Publikum. Zum einen gibt's ein Überangebot an Konzerten und Festivals, wo natürlich erst der Fokus darauf liegt, Karten zu verkaufen und daran scheitert es teilweise schon. Dazu kommt, dass das Publikum nicht jünger wird und das was nachkommt, relativ dünn besetzt ist. Heutzutage ist handgemachte Musik nicht mehr so im Fokus wie vor ein paar Jahren und es kann sich halt auch nicht mehr jeder leisten. Wobei meine These dazu auch lautet, dass unsere Musik vielleicht eine gewisse Reife benötigt.
Aber das Problem mit dem Publikum ist nicht nur bei uns so, auch in der allgemeinen Metalszene ist das allgegenwärtig, siehe Wacken, dass erste Mal nicht ausverkauft! Wobei da natürlich auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen, aber da ist es auch so.
Mit eurem anstehenden Release mit Kuyper wirst du dich ja auch mit der Medienwahl der Veröffentlichung auseinandersetzen müssen. Die kleinen Plattenfirmen rufen in letzter Zeit vermehrt nach Hilfe, auch wenn es zwischendurch immer mal wieder starke Phasen des Absatzes gibt. Dazu steigen die Preise pro Veröffentlichung rapide an. Der Markt für harte Veröffentlichungen, gerade für Vinyl, mutiert immer mehr zum Liebhaberhobby und gerade kleine Bands zehren teils sehr lange selbst an kleinen Auflagen. Wie stehst du zu dem Thema und wie siehst du den Einfluss der Streamingdienste auf die Musikergemeinschaft?
Bis vor einem Jahr war ich ja auch reiner Streamingkonsument. Seit ich aber einen Plattenspieler habe, hab ich das Hörerlebnis für mich neu entdeckt und weiß es so sehr zu schätzen wieder eine Platte in der Hand zu haben. Und natürlich geht nun mit der Veröffentlichung unserer Platte ein absoluter Traum in Erfüllung.
Ich denke, so lange es so einfach ist wie jetzt über Streamingdienste seine Musik anzubieten, ist das leider der Way to Go, aber man kann sich da beim konsumieren bewusst entscheiden welchen man geht. Ich finde Bandcamp ist eigentlich die sauberste Lösung, weil einigermaßen faire Deals für die Künstler in super Qualität, aber wer eine Band am besten unterstützen möchte, läuft am Merch ein, denn da haben auch die Label was von und man hat haptisch wie auch vom Hörerlebnis das meiste davon.
Neben dem Rückgang der Absätze für gepresste Tonträger ist auch innerhalb der Musikergemeinde immer wieder das Thema fehlender Besucher und damit einhergehender ausbleibender Gagen ein Thema. Für viele Underground Bands wird es zunehmend schwer sich zu entwickeln, da die Kosten für das Touren ebenfalls rapide steigen und einfach mal eben irgendwo hinfahren zum spielen zu einer echten Rechenaufgabe wird. Glaubst du es wird da nochmal eine Entwicklung in eine bessere Richtung geben oder entwickelt sich hier gerade an Teufelskreis der die Chancen für Livemusik weiter schmälert?
Ich hoffe es doch sehr, doch die Entwicklung sieht halt leider anders aus. Wenn wir mit Kuyper weitere Strecken fahren, dann nur für 2-3 Termine am Stück, also Weekender, um am Ende hoffentlich 100-200€ nach Abzug aller Kosten ohne Merch Verkäufe wieder drin zu haben, aber als die Spritpreise explodiert sind, ist das nochmal um die Hälfte gesunken und da überlegt man natürlich und am Ende stellt sich die Frage lohnt das noch und wo können wir ansetzen das sicherer hinzubekommen?
Es gibt eigentlich sehr viele Möglichkeiten zu spielen, aber an die muss man auch erst mal rankommen und dann Bedarf es halt an Publikum, das halt jedes Wochenende irgendwo coole Shows sehen kann. Underground Shows sind halt nicht auf jedem Schirm und die großen Mainstreamshows werden noch und nöcher in die Kanäle gespült, haben aber auch andere Mittel und Möglichkeiten. Damit das halt etwas besser wird, bieten wir über FuzzyTime die Möglichkeit eine gewisse Sichtbarkeit für die Underground Bands und Veranstaltungen zu bieten. Hoffentlich wird es in Zukunft wieder besser, aber besonders die DIY Veranstaltungen haben ordentlich zu kämpfen oder haben sogar schon die Segel gestrichen.
So jetzt mal was seichteres, gibt es noch etwas, auf dass du dich dieses Jahr besonders freust neben dem Release mit Kuyper? Irgendein bestimmtes Konzert oder ein Festival? Wie sehr freust du dich auf das Bad to the Stone Festival am 5ten September, welches du mitorganisierst?
Ohhh ja, dieses Jahr drehe ich ja gefühlt etwas durch, aus Gründen.
Erst mal war das erste Highlight dieses Jahr das Freak Valley. Zum ersten Mal dieses Festival besuchen zu dürfen war krass und ein Wochenende später war ich dann aufm krassen Gegenteil, der Rotormania, was aber auf eine andere Art einfach traumhaft war.
Nun geht's als nächstes zum ersten Mal aufs Stoned from the Underground. Da wollte ich seit Jahren unbedingt hin und darf dort dieses Jahr das erste Mal als FuzzyTime auf die Bühne. Da bin ich sehr gespannt, was da passieren wird und was ich überhaupt machen werde.
Das Bad to the Stone ist halt nochmal ne andere Nummer, weil mit organisieren, Social Media machen, das erlebte auf Cam aufnehmen und die Szene in Schleswig Holstein irgendwie da zu treffen ist halt was ganz besonderes bei der schönen Location und die Zusammenarbeit mit Christoph und Tim vom Gut Blockshagen ist halt mega entspannt.
Ein Jahr voller Highlights und nächstes Jahr wird auch sehr spannend! Da kommt einiges auf uns aber auch den geneigten Zuschauer zu!
Wie siehst du die Zukunft von Fuzzytime? Gefühlt sprecht ihr mit euren Themen viele Menschen an und ihr entwickelt euch da immer weiter von einer Szenereihe zu einem Format, welches auch für Leute außerhalb des Stoneruniversums interessant ist.
Da mache ich mir eigentlich nicht wirklich Gedanken drum, weil sich alles irgendwie organisch entwickelt und nach und nach irgendwie auch größer wird. Wenn es was anzusprechen gibt, sprechen wir es natürlich an und schauen was draus wird. Hauptsache ist, dass der Fokus auf den Underground Bands bleibt, denn die großen Bands haben ihre Label und Spreader, bei den Underground Bands ist es halt nicht so und da wollen wir weiter den Fokus darauf setzen.
Welche Projekte hast du noch in der Planung?
Gedanken und Ideen sind irgendwie immer da, Vernetzung ist weiterhin Thema, dass ich ja auch via einer WhatsApp Gruppe angeschoben hab, da bin ich auch mal gespannt wie sich das weiterentwickelt und ansonsten sind wir auch offen für Ideen von außen, wenn es umsetzbar ist und ins Konzept passt.
Checkt FuzzyTime doch direkt mal aus über
YouTube: https://www.youtube.com/@fuzzytimeYT
Instagram: https://www.instagram.com/fuzzytime/
Vielen Dank an Arne und Stefano für diesen tollen Beitrag und die tiefen Einblicke die wir in das FuzzyTime Universum erhaschen konnten. Freitag geht es weiter mit der Playlist und nächsten Mittwoch gibt es den nächsten Reviewer mit einem besonders heißen Thema für euch! Stay tuned!




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