Es ist schon wieder Mittwoch, es ist schon wieder warm und der neue Blogworm steht in den Startlöchern. Mittlerweile schon Blogworm #5 und damit haben wir den ersten Monat des Blogs fast schon durch... ich möchte mich nochmal herzlichst bei allen neuen Followern und Lesern bedanken. Der Juli war eine Mordsgaudi und ich hoffe, dass ich euren Erwartungen an diesen Blog gerecht werde. Viel Spaß bei der nächsten Folge des Blogs rund um den deutschsprachigen Heavy Underground, mitsamt seiner Peripherie.
In der heutigen Blogworm-Folge geht es um eines meiner eigenen Herzensprojekte, welches ich damals mit meinem Wasteland Buddy Björn an den Start und in die Gänge gebracht habe. Die New Wave of German Stoner ist ein Promotionnetzwerk, welches rund um Björns gleichnamige Spotify Playliste aufgebaut wurde und immer wieder verschiedenen Bands aus Deutschland die wohlverdiente Aufmerksamkeit auf Instagram gibt. Mittlerweile habe ich mich aus dem aktiven Teil der New Wave zurückgezogen und hier Platz für den dritten Wastelander Hendrik gemacht, da ich mich mehr um Tapeworm und somit auch diesen Blog kümmern möchte. Stellvertretend für die Beiden hat Björn mit mir ein sehr interessantes Interview geführt über die New Wave, den Start als DIY-Band und den lang ersehnten Weg aus dem Proberaum.
Moin Björn, erzähl mir doch erstmal was über dich und wie deine Verbindung zum Heavy Underground zustande gekommen ist.
Hi, als ich mich nach einer längeren musikalischen Pause wieder aktiv nach einer Band umschaute, bin ich zufällig bei einem Stonerprojekt gelandet. Dadurch war ich sozusagen "gezwungen" mich mit den verschiedenen Bands und deren Musik auseinanderzusetzen. Klar, mit Sabbath und Kyuss bin ich aufgewachsen, aber was sich daraus im mehr oder weniger Underground entwickelt hatte, war lange Zeit an mir vorbeigelaufen.
Erzähl mir etwas über die New Wave of German Stoner, am liebsten natürlich von der Ursprungsidee zum heutigen Konzept.
Als wir mit Wasteland Haze angefangen haben, Musik auf Spotify zu veröffentlichen, bin ich über das Feature der Künstler-Playlist gestolpert. Dann habe ich mir damals ein paar Gedanken dazu gemacht, wie man das sinnvoll nutzen kann. Die Idee war von Anfang an, sich durch die Playlist mit anderen kleinen bis mittleren Bands in der deutschen Stoner-Szene zu vernetzen. Also hab ich am Anfang mal alle deutschen Stonerbands, die ich über Social Media gefunden habe durchgehört und wenn mir ein Song gefiel ihn mit in die Liste gepackt. Naja, damit war ja aber in Sachen Vernetzung noch nichts erreicht. Also haben wir angefangen, die Liste über Social Media zu promoten und die Bands zu verlinken. So hat sich das ganze nach und nach weiterentwickelt und es kamen erste Anfragen an mich, weitere Bands aufzunehmen. Wir haben die Liste dann auch über eine Flyer/Aufkleber-Aktion auf dem Freak Valley und auf unseren Gigs promoted. Mittlerweile machen wir neben Bandvorstellungen auch Promo für Konzerte und Neuerscheinungen und veranstalten mehrmals im Jahr Konzerte unter dem New Wave Label im Druckluft in Oberhausen.
Wie sucht ihr die Bands für eure Vorstellungen zusammen und können euch Bands anschreiben, um einen Promotionplatz zu bekommen?
Am Anfang habe ich die Bands selber aktiv gesucht und einen Kontakt hergestellt, mittlerweile kommen doch schon einige Anfragen rein. Bands können sich gerne über Instagram melden, gerne auch mit einer kleinen Bandinfo (2-3 Sätze) und 2 Fotos, wenn es in die Bandvorstellungen gehen soll. Ansonsten machen wir natürlich auch Collabs oder teilen Beiträge. Einfach markieren oder anschreiben.
Habt ihr noch Kontakt zu anderen Promotion oder Bookingnetzwerken neben mir mit Tapeworm?
Ein paar Promo-Platformen auf Instagram scheinen aktuell nicht mehr aktiv zu sein, da ist die Zusammenarbeit mehr oder weniger eingeschlafen. Ansonsten besteht eigentlich hauptsächlich noch Kontakt zu FuzzyTime mit denen wir auch regelmäßig zusammenarbeiten.
Die Kritik für Spotify wächst stetig und mittlerweile nehmen immer mehr Musiker ihre Werke von der Plattform. Wie siehst du das und gibt es gegebenfalls bereits schon Ideen und Projekte um eventuell auf einen anderen Service umzusatteln?
Klar verstehe ich die Kritik an Spotify voll und ganz und es wäre toll, wenn dort vieles anders liefe. Allerdings ist es für kleine Künstler und Bands nach wie vor die größte Werbe- und Promoplattform der Welt. Und so muss man das ganze meiner Meinung auch sehen. Ich sehe Spotify einfach nur als Möglichkeit, weltweit sehr viele Menschen mit der eigenen Musik zu erreichen.
Aktuell ist die New Wave auf Spotify beschränkt, es gibt allerdings Überlegungen, auch einen YouTube Kanal mit Album Promos und eventuell auch Compilations an den Start zu bringen. Interessierte Bands können sich gerne auch bei mir melden.
Wie siehst du die Entwicklung bei Social Media, was die Promotion von Bands und Künstlern angeht? Gefühlt sind kurze Clips und Einspieler, teils mit sinnlosen Inhalten, bedeutend erfolgreicher als der klassische Promobeitrag und Stories.
Ja, die Erfahrung zeigt bisher, dass man mit kurzen Reals ein wesentlich größeres Publikum erreicht, als mit klassischen Bild/Text Beiträgen. Insgesamt ist gefühlt im Social Media Bereich meiner Meinung nach ein Einbruch erkennbar. Allerdings gibt es bisher auch kaum sinnvolle Alternativen für kleine Bands, sich selber zu promoten.
Neben deiner Arbeit für die New Wave sind du und Hendrik natürlich noch mit mir zusammen bei Wasteland Haze aktiv, womit wir schon gut rumkommen und ein ordentliches Tour-Programm auf die Beine gestellt bekommen. Was würdest du jungen Bands empfehlen um an Konzerte und die wichtigen Verbindungen zum Heavy Underground zu kommen?
Meine Empfehlung ist, Kontakte zu anderen Bands/Musikern zu knüpfen. Man kann z. B. auf kleine Konzerte zu gehen, wo sich die Szene trifft. Dort kommt man meist schnell mit Gleichgesinnten ins Gespräch, denn vieles läuft am besten über persönliche Kontakte. Für den Anfang ist es auch immer gut, selbst was auf die Beine zu stellen. Wir haben unsere ersten Konzerte auch im Proberaum und im Brauart komplett DIY-mäßig gemacht und dabei erste Erfahrungen gesammelt.
Die erste Hürde für Bands ist natürlich schonmal das Bereitstellen einer geeigneten Demo-Aufnahme. Einige Bands schaffen es kaum aus dem Proberaum, da kein Material bereitsteht um sich um Venues bemühen zu können. Björn, du hast mit Wasteland Haze und auch mit der vorherigen Band alles direkt im Proberaum aufgenommen, gemischt und gecuttet. Was würdest du sagen ist die minimale Einrichtung, die man für ein Demo braucht?
Minimale Einrichtung...mhh. Also man braucht eine Möglichkeit, mehrere Spuren parallel aufzunehmen und ein paar Mikros. Dann kann es eigentlich schon losgehen. Das wichtigste aus meiner Erfahrung ist, einfach anzufangen und nicht auf das richtige Equipment zu warten. Mach das beste aus dem, was du schon hast. So haben wir es im Anfang immer gemacht und sind damit ganz gut gefahren. Und dann natürlich YouTube als große Informationsquelle, wenn man in das Thema Recording einsteigen will.
Und wie lange braucht man um ein halbwegs gutes Demo zu mixen und zu mastern?
Schwierige Frage, das hängt extrem vom Erfahrungslevel und vom eigenen Anspruch ab. Und von der Qualität der Aufnahme. Kann da keine festen Zahlen nennen.
Die erste Demo ist geschafft und hört sich gut an, wie geht es weiter um die ersten Gigs bespielen zu können?
Erstmal Demo veröffentlichen und auf allen möglichen Kanälen Promoten (YouTube, Streaming-Dienste usw) und dann heißt es Kontakt zu Läden und Veranstaltern aufnehmen, aber darüber kannst du selber vermutlich mehr erzählen :). Ich würde nochmal den Punkt von oben aufgreifen: Am Anfange gerne auch mal selber was organisieren, z. B. im Proberaum oder im Jugendzentrum um die Ecke.
Kleine Anmerkung vom Tapeworm am Rande: Es ist eine Schweinearbeit und der Weg selber im nächsten Jugendzentrum oder Bar was zu organisieren und so eventuell den Konktakt zu einer regionalen Band herzustellen ist bei weitem nicht so Arbeits- und Zeitintensiv wie zigtausende Emails ins Leere zu schreiben. Bleibt erfinderisch ;)
Wie siehst du die Chancen kleiner Underground Bands und die Liveszene im allgemeinen? Es gibt ja eine klare Tendenz, dass das kleine Eckkonzert immer weniger besucht wird.
Tja, das stimmt natürlich. Man kann halt immer nur versuchen, Leute im Freundes- und Bekanntenkreis zu motivieren, rauszugehen und kräftig die Werbetrommel rühren. Wenn es keine Szene in deiner Stadt gibt, dann bist du der Startpunkt für eine.
In anderen Städten ist ein lokaler Support natürlich immer Gold wert.
Mittlerweile veranstalten wir ja zusammen mit der New Wave auch Konzerte zum Beispiel im Druckluft in Oberhausen am 27.11.2026 mit Kardeathian, Zen Trip und Nazca Space Fox. Was bedeuten dir die Konzerte an denen du eher als Veranstalter unterwegs bist?
Wir sind natürlich wahnsinnig glücklich, dass wir die Chance haben, so etwas auf die Beine zu stellen und wir freuen uns jedes mal riesig, vor Ort dann mit den Bands und dem Publikum einen tollen Abend zu genießen. Das das Ganze dann auch unter dem Label New Wave of German Stoner läuft, macht einen natürlich auch irgendwie stolz.
Wie siehst du die Entwicklung und die Zukunft der deutschen Stoner Szene?
Derzeit kommen viele neue musikalische Einflüsse in die Szene, gleichzeitig kämpfen immer mehr Live-Veranstaltungen mit sinkenden Zuschauerzahlen und auch der Online-Konsum geht gefühlt zurück. Ich sehe die Zukunft mehr denn je im DIY/ Nonprofit -Bereich, denn es gehört immer eine ordentliche Protion Idealismus dazu.
Checkt auf jeden Fall die Kanäle der New Wave of German Stoner aus!
Ich danke Björn für das tolle und aufschlussreiche Interview. Mit der New Wave of German Stoner entwickelt sich eine Struktur innerhalb des deutschen Stonerkosmos, welche mit Herzblut, Fleiß und kreativen Ideen immer wieder Bands eine Plattform bietet, die im täglichen Wahnsinn des Musikdschungels untergehen würden. Supportet den Underground, teilt Inhalte, stellt selber was auf die Beine und versucht das vorzuleben, was ihr von eurem Gegenüber erwartet. Seid ein netter und sich einbringender Kontakt, organisiert, vernetzt und geht selber mal auf ein Konzert. Nur so können wir alle gemeinsam wachsen. Genießt das Wetter, der Winter naht.




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