Mittwoch, 12. August 2026

Blogworm #7: Das atMOERSphere Festival

Blogworm Nummero 7 und diesmal mit einer richtig dicken XXL Story beim Blog rund um den deutschsprachigen Heavy Underground mitsamt seiner Peripherie. Wenn ihr auch gerne ein Teil dieses Blogs werden wollt, mit einer spannenden Geschichte oder eurem Projekt, dann schreibt mir gerne auf Instagram unter Tapeworm.Booking oder schickt mir eine Email an tapeworm@gmx.net. Lass einfach mal schnacken und wir gucken ob es passt oder nicht.


Heute geht es um Tobias, seines Zeichen einer der Köpfe hinter dem Orgateam des atMOERSphere. Das atMOERSphere ist ein jährlich stattfindendes Indoor Festival im Bollwerk in Moers, welches überregional Bekanntheit durch seine Verwurzelung zu der hiesigen Underground Szene erlangt hat. Durch das Mischen von Underground Bands mit größeren Vertretern der Szene und einem gut geführten Social Media Auftritt bekommt man hier ein sehr umfassendes Gesamtkonzept. Dazu veranstaltet das Team rund um das atMOERSphere regelmäßig Konzerte in der Röhre in Moers, welche voll und ganz Bands aus dem Underground gewidmet sind.




Hi Tobias, erzähl mir doch erstmal kurz was über dich und woher deine Liebe zum Stoner rührt.

Die musikalische Früherziehung in meinem Elternhaus bestand tatsächlich überwiegend aus Schlagern. Das hat Spuren hinterlassen – heute erwische ich mich manchmal noch dabei, dass irgendwo so ein uraltes Zeug läuft und ich erschreckend textsicher mitsingen kann.

Der Gegenpol dazu kam recht früh. Mit etwa 11 Jahren habe ich angefangen, Metal zu hören. Das war wahrscheinlich auch ein Stück weit Rebellion gegen das, was bei meinen Eltern auf dem Plattenteller lag. Anthrax, Accept, Sepultura und Megadeth waren damals meine Bands und ich höre sie heute auch noch gerne. In meiner Jugend gab es dann tatsächlich noch einen kurzen Ausflug in Richtung Techno und Trance, aber der wurde relativ schnell wieder von handgemachter Musik verdrängt. Nirvana, Alice in Chains, aber auch Crossover wie Such a Surge und Thumb waren Bands, die meine Jugend ziemlich stark mitbestimmt haben.

So richtig in den Stoner bin ich dann vor vielleicht ca. 15 Jahren reingerutscht. Ich kann dir aber gar nicht mehr sagen, welche Band oder welche Platte damals der Auslöser war. Diesen einen Moment nach dem Motto „Das ist Stoner und ab jetzt ist das mein Ding“ gab es bei mir nicht. Das ist eher sukzessive passiert.


Kannst du mir das atMOERSphere etwas genauer erklären? Wann fand es das erste Mal statt, was war euer Antrieb und wie siehst du die Entwicklung seit der ersten Ausgabe?

Das erste atMOERSphere fand am 13. Mai 2023 statt. Damals hatten wir knapp 240 Leute im Bollwerk.
Der ursprüngliche Antrieb war ziemlich einfach: Wir hatten festgestellt, dass Moers in Sachen Stoner Rock ein schwarzer Fleck auf der Landkarte war. Für entsprechende Konzerte musste man meistens ins Ruhrgebiet, Richtung Köln oder über die Grenze nach Nijmegen oder Eindhoven fahren. Also wollten wir einfach ausprobieren, ob so etwas nicht auch in unserer Heimatstadt funktioniert.
Ursprünglich war das tatsächlich als einmalige Nummer gedacht. Aber als ich an dem Abend die letzte Band ansagen durfte, hatte ich schon dieses Gefühl: Das war noch nicht alles!

Nach dem Abend waren wir im Team alle ziemlich geflasht und uns war schnell klar, dass es eine zweite Ausgabe geben muss. Inzwischen sind wir bei der Planung für Ausgabe Nummer 5 und auch bei den Bands durchaus international unterwegs als zu Beginn. In diesem Jahr hatten wir zum Beispiel Kryptograf aus Norwegen beim Festival.

Aus dem Festival heraus ist außerdem das atMOERSphere Underground entstanden. Wobei es das streng genommen sogar schon kurz vor dem ersten Festival gab. Die erste Ausgabe in der Röhre war als Testballon und Generalprobe gedacht. Wir haben aber ziemlich schnell festgestellt, dass das ein verdammt geiles eigenes Format ist: kleiner, kuscheliger Laden, sehr intime Atmosphäre und extrem nah an den Bands – mit einem brachialen Sound, dank der völlig überdimensionierten PA in dem Laden. Inzwischen ist das atMOERSphere Underground eine feste Konzertreihe geworden und am 12. September feiern wir tatsächlich schon die 10. Ausgabe. Das ist für mich vielleicht die schönste Entwicklung überhaupt: Aus dieser einen Veranstaltung, die wir 2023 einfach mal ausprobieren wollten, ist inzwischen deutlich mehr entstanden.




Was war dein allerschönster atMOERSphere Moment?

Den einen allerschönsten atMOERSphere-Moment zu benennen, finde ich tatsächlich schwierig. Dafür besteht das Ganze aus viel zu vielen schönen Momenten, geprägt durch viel Miteinander.
Was mich immer wieder abholt, sind die Leute, die voller Neugier zu uns kommen und teilweise keine einzige Band auf dem Line-up kennen. Und dann stehst du irgendwann da, die Bands haben die Crowd ordentlich in die Mangel genommen und du siehst vor dir nur verschwitzte, lachende Gesichter. Und wenn anschließend jemand zu mir kommt und sagt: „Keine Ahnung, wer das gerade war, kannte ich vorher nicht – aber scheiße, war das geil“, dann haben wir eigentlich ziemlich viel richtig gemacht.
Vielleicht ist genau das der schönste atMOERSphere-Moment: Es ist nicht dieser eine Augenblick. Es ist die Summe aus verdammt vielen davon.


Was wäre deine absolute Traumband, die du gerne mal auf die Bühne im Bollwerk holen würdest?

Gaaanz schwierige Frage. Schon deshalb, weil ich das gar nicht allein entscheiden könnte. Wir entscheiden im Team demokratisch, welche Bands wir anfragen. Wir haben mittlerweile eine lange Liste, hören uns alles gemeinsam an und irgendwann kommt der Tag, an dem wir sagen: So, jetzt müssen wir uns entscheiden, wen wir fürs nächste atMOERSphere anfragen wollen. Und dann müssen die Bands natürlich auch noch Zeit haben und irgendwie ins Budget passen.

Was mich persönlich betrifft, kann ich eigentlich sagen: Meine Traumband war schon da, im April dieses Jahres. Das war Kryptograf. Die haben mich mit ihrer ersten Platte komplett abgeholt und wir haben über zwei Jahre an ihnen herumgedoktert, bis wir sie endlich aus Norwegen nach Moers bekommen haben.

Natürlich gibt es im Team noch Namen wie Colour Haze, Long Distance Calling, 1000Mods, Rotor oder Fu Manchu, die irgendwann mal fallen. Aber wir müssen uns auch der Realität stellen: Wir sind eine kleine Veranstaltung mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten. Und vielleicht passen diese ganzen großen Namen auch gar nicht unbedingt zu uns. Es macht sehr viel Spaß, im Underground herumzugraben, Bands zu entdecken, von denen wir glauben, dass die Leute sie hören müssen, und dann zu schauen, ob wir sie irgendwie nach Moers locken können. Das ist eigentlich viel mehr atMOERSphere, als einfach irgendeinen möglichst großen Namen oben aufs Plakat zu schreiben.


Dass du ein Festival mit allem drumherum nicht alleine auf die Beine stellen kannst, wird jedem der schonmal ein Konzert organisiert hat klar sein, wer mischt noch so alles bei euch im Team mit?

Ja, so ein Festival bekommst du definitiv nicht alleine auf die Beine gestellt. Dafür brauchst du Leute, auf die du dich verlassen kannst. Und ich bin echt froh, dass sich ein Team zusammengefunden hat, in dem alle am gleichen Strang ziehen, gleichzeitig ganz unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen und in dem es untereinander bei Konflikten nicht eskaliert.

Corinna kümmert sich bei uns um Social Media und Werbung und erstellt auch die ganzen Druckdaten für Flyer, Aufkleber und alles, was wir sonst so unters Volk bringen.

Alex übernimmt die technische Kommunikation mit den Bands. Tech-Rider, Backline, wer stellt welches Schlagzeug und was braucht die Band, damit sie am Ende vernünftig auf unserer Bühne spielen kann – das läuft alles bei ihm zusammen.

Andy sorgt am Veranstaltungstag dafür, dass die Bands wissen, wo sie hinmüssen, packt beim Aufbau mit an und ist als Stagehand dabei.

Björn steckt unglaublich viel Zeit und Liebe in unsere Live-Videos. Gemeinsam mit seinen Leuten sorgt er dafür, dass Bild und Ton eingefangen und anschließend vernünftig aufbereitet werden. Das Livevideo von Kryptograf ist dafür ein ziemlich gutes Beispiel. Auch das Video von HOLZ ist so entstanden. Beim Soundmix arbeitet Björn unter anderem mit Christoph zusammen.




Und dann darf ich Hanna nicht vergessen. Sie ist unser Zahlen-Genie und kümmert sich darum, dass finanziell alles sauber dokumentiert ist. Wir machen das Ganze ehrenamtlich und gemeinnützig und sind Teil der K.O. Kulturoffensive Moers e.V. Daher ist es wichtig, dass jeder Euro, der rein- und rausgeht, vernünftig belegt und abgerechnet wird, damit die Gemeinnützigkeit erhalten bleibt. Am Ende funktioniert atMOERSphere genau deshalb: weil jeder seinen Bereich hat, aber trotzdem alle mit anpacken, wenn es irgendwo brennt.


Ihr fahrt mit dem atMOERSPhere einen sehr eigenen, markanten Stil im Bezug auf die Werbung. Wer macht für euch da die Grafiken und Videos?

Unser Leitmotiv ist von Anfang an die Astronautin gewesen. Ob wir uns damals schon bis ins letzte Detail Gedanken darüber gemacht haben, warum es ausgerechnet eine Astronautin sein muss? Wahrscheinlich nicht. Aber über die Jahre hat sie für uns immer mehr Bedeutung bekommen. Eine Astronautin steht für Neugier und Entdeckergeist. Dafür, sich auf den Weg zu machen, unbekannte Welten zu erkunden und auch mal dahin zu gehen, wo man vorher nicht genau weiß, was einen erwartet. Das passt recht gut zu dem, was wir musikalisch machen. Wir wollen nicht immer nur die Bands präsentieren, die sowieso jeder kennt, sondern suchen, entdecken und auch mal etwas auf die Bühne stellen, von dem unsere Gäste vorher vielleicht noch nie gehört haben. Gleichzeitig steckt in diesem Bild für mich auch etwas sehr Ruhiges: dieses „Bei-sich-Sein“ in einer unendlichen Weite, weit weg vom ganzen Lärm, und die Möglichkeit, die Dinge einmal aus einer völlig anderen Perspektive zu betrachten. Dazu dieser Blick in die Ferne, die Sehnsucht nach etwas Unbekanntem und die Frage, was da draußen vielleicht noch auf einen wartet. Inzwischen ist die Astronautin einfach ein fester Teil der atMOERSphere-Welt geworden. Sie reist mit uns von Veranstaltung zu Veranstaltung und entdeckt dabei immer wieder neue Welten – und irgendwie machen wir mit der Musik genau das Gleiche.

Die praktische Umsetzung liegt vor allem bei Corinna und Björn: Corinna kümmert sich um die Grafiken, Drucksachen, Werbung und Social Media; Björn steckt viel Arbeit in unsere Live-Videos und deren Aufbereitung. Und ab und an halte ich auch gern mal meine Nase in die Kamera und labere einfach wild drauf los.




Bei euren Underground Veranstaltungen stehen ja meist 2 Bands aus dem Underground auf der Bühne. Die Röhre ist dann in der Regel ziemlich gut gefüllt und die Stimmung auf dem Zenit. Wie seid ihr auf die Idee gekommen und was zeichnet diese Veranstaltungsreihe besonders aus? Wer und wie sucht die Bands aus? Wie können euch Künstler erreichen, wenn sie Interesse an einer Show haben?

Das atMOERSphere Underground gab es tatsächlich schon vor dem ersten Festival. 14 Tage vor dem 13. Mai 2023 haben wir einfach mal zwei Bands in die Röhre geholt, um zu schauen: Funktioniert unser Ablauf überhaupt? Wird das angenommen? Das war unsere Generalprobe, damit wir beim großen Festival nicht komplett ins kalte Wasser springen. Deshalb gibt es streng genommen ein atMOERSphere Underground #0. Damals standen Sleeping Green und Otho auf der Bühne. Wir haben schnell gemerkt,
dass dieses kleine Format auch für sich allein gut funktioniert und gut anfühlt. Die Röhre ist klein, kuschelig, die Leute stehen unmittelbar vor den Bands und dadurch entsteht eine ganz eigene Atmosphäre. Also haben wir aus unserem Testballon eine feste Konzertreihe gemacht.

Das Underground wollen wir aber nicht als Vorrunde fürs große atMOERSphere verstanden wissen. Das war nie die Idee. Festival und Underground sind zwei eigenständige Formate, die unabhängig voneinander funktionieren. Finanziell gibt es allerdings eine Verbindung: Alles, was bei den Underground- Shows am Ende übrigbleibt, fließt zurück ins atMOERSphere und hilft uns dabei, das große Festival zu finanzieren. Bei uns wird also nichts in die eigene Tasche ausgeschüttet – jeder Euro bleibt im Projekt. Das Booking funktioniert bei beiden Formaten demokratisch. Bands, die sich bei uns bewerben oder die wir irgendwo entdecken, landen erst einmal auf unserer Liste. Wir hören uns die Sachen an, sprechen im Team darüber und entscheiden gemeinsam, wen wir gerne nach Moers holen möchten. Manchmal wird das auch recht leidenschaftlich… 

Und manchmal passieren dazu kuriose Sachen. Irgendwann bekamen wir eine Mail aus Australien von Full Tone Generator. Keine Ahnung, wie atMOERSphere bis Down Under geschwappt ist, aber die Jungs fragten einfach, ob sie bei uns spielen können. Also haben wir kurzerhand eine Underground-Ausgabe mit Full Tone Generator gemeinsam mit Purple Dawn aus Köln auf die Beine gestellt. Das war ein fantastischer Abend – und obwohl es in der Röhre kein Fosters gab, haben sich die Australier offensichtlich trotzdem ziemlich wohlgefühlt 




Bands können sich unter hello@atmosphere-festival.de bewerben. Ich muss allerdings direkt vorwarnen: Unsere Warteliste ist inzwischen leider lang geworden und wir kommen momentan kaum mit dem Antworten hinterher. Wenn wir alle Bands, die mittlerweile darauf stehen, einmal spielen lassen wollten, müssten wir wahrscheinlich direkt ein fünftägiges Festival veranstalten.


Die Gäste auf euren Veranstaltungen pilgern ja von mehr oder minder halb Deutschland zu euch. Gibt es in Moers und Umland denn auch eine gewisse Szene und wie hat sich das mit eurer Arbeit verändert?

Eine eigene Stoner- oder Underground-Szene speziell rund um Moers? Nee, würde ich so nicht sagen. Natürlich gibt es auch hier in der Region gute Bands. Aber eine klar abgegrenzte Moerser Stoner-Szene gibt es in dem Sinne nicht. Ich glaube aber sowieso, dass man die Szene etwas größer denken muss. Wir sind zum Beispiel sehr gut mit Ruhrdyne vernetzt, die in Essen und Witten regelmäßig spendenbasierte Veranstaltungen auf die Beine stellen. Das sind für uns wichtige Partner und Freunde. Man spricht miteinander, tauscht sich aus und hilft sich gegenseitig, wo man kann. Und genau das macht für mich Underground auch aus. Nicht jeder kocht in seinem kleinen Kämmerchen sein eigenes Süppchen und betrachtet die anderen Veranstalter als Konkurrenz. Im besten Fall unterstützt man sich gegenseitig und sorgt gemeinsam dafür, dass diese Musik überhaupt eine Bühne bekommt. Dazu zählt auch Termine irgendwie zu synchronisieren, wenn es Überschneidungen gibt. Denn eines haben wir alle nicht: Geld. Was wir aber haben, ist verdammt viel Leidenschaft für Musik. Und daraus bauen wir etwas. Dafür braucht es Bands, Veranstalter, Locations und vor allem Leute, die hingehen und diesen ganzen kleinen Wahnsinn mittragen.


Für viele Festival und Konzertveranstalter rückt die Krise der Livemusik immer mehr in den Fokus. Steigende Kosten bei immer weiter sinkenden Besucherzahlen ergeben eine gefährliche Mischung. Wie sieht das bei euch aus? Gibt es Ideen und Ansätze den Kopf da aus der Schlinge zu ziehen?

Natürlich merken wir, dass Veranstaltungen teurer werden. Dass eigentlich alles teurer wird, merken wir schließlich alle spätestens an der Tankstelle und kotzen beim Volltanken.

Beim Ticketpreis versuchen wir deshalb jedes Mal den Spagat: Auf der einen Seite wollen wir den Eintritt so günstig wie möglich halten, damit möglichst viele Leute kommen können und wollen. Auf der anderen Seite müssen wir mit diesen Einnahmen sämtliche Kosten des Abends decken. Location, Technik, GEMA, Tontechniker und alles, was sonst noch anfällt. Und natürlich wollen wir den Bands am Ende auch eine halbwegs angemessene Gage in die Hand drücken können. Wenn der Laden voll ist und alles gut läuft, funktioniert das auch. Wenn ein Abend mal schlechter läuft, sieht die Realität natürlich anders aus. Da haben wir auch schon aus unseren eigenen Reserven etwas draufgelegt und den Bands noch einen Fuffi für den Sprit in die Hand gedrückt. Die Bands fahren teilweise hunderte Kilometer, schleppen ihr Equipment durch die Gegend und stehen für uns auf der Bühne. Das muss man einfach wertschätzen.

Und vielleicht ist genau das auch ein wichtiger Punkt: Bei uns sind die Bands nicht einfach das „Produkt“, das wir vermarkten müssen, damit möglichst viele Tickets über den Tisch gehen. Die Bands sind für uns genauso Gäste wie die Menschen vor der Bühne. Wenn wir eine Band nach Moers einladen, wollen wir, dass sie am Ende nicht nur eine gute Show gespielt hat, sondern auch einen guten Abend bei uns hatte. Dazu gehört natürlich, dass Technik und Sound funktionieren und wir versuchen, eine vernünftige Gage hinzubekommen. Aber genauso gehört für uns dazu, Zeit miteinander zu verbringen, zu quatschen, zusammen ein Bier zu trinken und den Bands das Gefühl zu geben, dass sie nicht einfach nur der nächste Programmpunkt auf einem Ablaufplan sind. Natürlich brauchen wir am Ende genügend Leute vor der Bühne, damit sich so ein Abend finanziell trägt. Aber wir wollen eine Band nicht darauf reduzieren, wie viele Tickets sie verkauft oder wie viele Follower sie mitbringt. Für uns gehören die Menschen auf und vor der Bühne zum selben Abend – und im besten Fall fahren beide danach mit einem ziemlich breiten Grinsen nach Hause.

Genau deshalb bleibt jeder Konzertabend ein kleiner Drahtseilakt: Der Ticketpreis muss niedrig genug sein, damit die Leute kommen können, und gleichzeitig hoch genug, damit alle Rechnungen bezahlt sind und für die Bands noch eine vernünftige Gage übrig bleibt. Unser Ziel ist dabei nicht, mit den Veranstaltungen Gewinn zu machen. Im Idealfall steht am Ende eine schwarze Null. Und wenn etwas übrig bleibt, stecken wir jeden Euro wieder ins Projekt.




Gab es mal Überlegungen das atMOERSphere als Open Air aufzuziehen? Vielleicht als zusätzliche Geschichte im Sommer, während das atMOERSsphere dann in den kalten Monaten stattfinden könnte?

Ja, die Überlegung gibt es tatsächlich. Wir würden das atMOERSphere irgendwann gerne mal nach draußen bringen. Aber wenn wir das machen, dann ist für uns eigentlich klar: Wenn draußen, dann umsonst und draußen. Der Gedanke dahinter ist, Menschen zu erreichen, die bisher vielleicht überhaupt keine Berührungspunkte mit dieser Musik haben.

Bei einem Clubkonzert gibt es immer eine gewisse Schwelle: Du musst ein Ticket kaufen, gehst in einen Laden, den du vielleicht nicht kennst, und triffst dort auf eine Szene, mit der du vorher möglicherweise noch nie etwas zu tun hattest. Bei einem kostenlosen Open Air ist das anders. Da kannst du einfach vorbeikommen, dir ein Bier und eine Wurst holen und erst mal völlig unbefangen zuhören. Und vielleicht steht dann jemand vor der Bühne, der mit Stoner Rock vorher überhaupt nichts anfangen konnte und plötzlich feststellt: „Scheiße, das ist ja geil.“ Genau diese Schwelle würden wir gerne abbauen, um neue Leute zu erreichen.

Das Problem ist natürlich: Umsonst bedeutet nicht, dass es nichts kostet. Im Gegenteil. So eine Veranstaltung müsste über Sponsoren, Getränke, Merchandise, Gastro und andere Partner gegenfinanziert werden. Wir haben dazu auch schon Gespräche geführt und den Taschenrechner gezückt: Bei so einem Open Air für alle sprechen wir schnell über einen Kostenapparat zwischen 60.000 und 100.000 Euro – Bühne, Technik, Sicherheit, sanitäre Anlagen und so weiter. Und ganz ehrlich: Das sind Dimensionen, vor denen wir auch einfach Schiss haben. Wir machen das alles ehrenamtlich und so einen Kostenapparat musst du erst einmal bedienen und verantworten können.
Dazu kommt, dass Stoner und Desert Rock nun mal eine Nische sind. Das ist keine Musik, die den ganzen Tag im Radio läuft und bei der du einfach irgendeinen bekannten Headliner auf die Bühne stellst und davon ausgehen kannst, dass dir der Name alleine schon ein paar tausend Leute zieht. Diese Musik muss man entdecken und man muss sich auch ein Stück weit auf sie einlassen. Mit einem Stoner-Rock-Open-Air lockst du eben nicht automatisch jede Maus hinterm Ofen hervor. 

Und genau da schließt sich der Kreis zum „Umsonst und draußen“. Wir wollen die Hürde so niedrig wie möglich machen und auch Leute erreichen, die wegen dieser Musik vielleicht niemals ein Ticket gekauft hätten. Wenn davon am Ende ein paar vor der Bühne stehen bleiben und feststellen, dass sie gerade etwas für sich entdeckt haben, hätten wir schon ziemlich viel erreicht. Die Idee ist also definitiv da, aber das finanzielle Risiko ist gerade in unserer Nische nicht zu unterschätzen. Deshalb machen wir das erst, wenn wir überzeugt sind, dass wir es vernünftig finanziert und organisiert bekommen.


Ihr habt es geschafft Aeon Temple auf das legendäre Moers Festival (für die Kenner immer noch Jazz Festival, good old times) in einer feat Ausgabe zu bekommen. Wie kam das zustande?

Zum moers festival gibt es bei mir eine beruflich-private Verbindung. Gleichzeitig sind die Veranstalter in unserem „Dorf“ irgendwann auch auf uns und das atMOERSphere aufmerksam geworden. Ich habe sie zu unseren Veranstaltungen eingeladen, einfach damit sie sich das Ganze mal anschauen und sich mit der Musik beschäftigen können. Ich glaube nämlich insgeheim, dass Jazz und Stoner Rock an manchen Stellen gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Gerade wenn es ums Jammen geht, um das Zusammenspiel der Instrumente und darum, wie Musiker aufeinander reagieren und gemeinsam einen Groove entwickeln, gibt es durchaus Berührungspunkte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwann habe ich einfach plump gefragt: „Wir hätten da ein paar Bands, bei denen wir glauben, dass die auch auf dem moers festival ihren Platz finden könnten – wie sieht’s aus?“ Wir haben dann ein paar Vorschläge gemacht und am Ende hat man sich für Aeon Temple entschieden. Darüber habe ich mich natürlich riesig gefreut. So kam der Stein eigentlich ins Rollen – manchmal muss man einfach fragen.


Wie siehst du die aktuelle Entwicklung des Stoners in Deutschland?

Ich glaube, dass sich Stoner und Desert Rock momentan ziemlich progressiv entwickeln. Wenn man sich zum Beispiel Bands wie True Voodoo, Yeast Machine oder Slomosa anhört, merkt man ziemlich schnell, dass es längst nicht mehr nur um diesen klassischen Stoner-Sound geht. Da kommen Einflüsse aus Grunge und Punk dazu, teilweise sogar aus dem Hip-Hop. Und ich finde nicht, dass dadurch der Kern verwässert wird – im Gegenteil. Die Grenzen dieser Musik werden einfach weiter aufgemacht.
Und genau diese Entwicklung finde ich fantastisch. Stoner Rock ist für mich kein fest abgesteckter Bereich, in dem nur bestimmte Sounds, Rhythmen und Riffs erlaubt sind. Auch die Menschen, die ich in dieser Szene kennenlerne, erlebe ich als sehr offen. Da gibt es wenig Berührungsängste mit anderen Genres und neuen Einflüssen. Und vielleicht ist genau das eine der Stärken dieser Musik: Sie hat einen ziemlich klaren Kern, aber trotzdem verdammt viel Platz drumherum.




Habt ihr schon einen Termin für das nächste atMOERSphere, wann werden die ersten Bands bekannt gegeben und wann startet der vvk?

Die 5. Ausgabe des atMOERSphere Festivals wird voraussichtlich im April stattfinden. Aktuell gibt es noch ein paar Unwägbarkeiten, die wir erst einmal aus dem Weg räumen müssen. Sobald das geklärt ist, werden wir natürlich auch den genauen Termin und die ersten Bands bekannt geben und zeitnah mit dem Vorverkauf starten.


Wann und mit wem findet das nächste atMOERSphere Underground statt?

Das nächste atMOERSphere Underground findet am 12. September in der Röhre statt – und das wird für uns eine besondere Ausgabe, denn wir feiern tatsächlich schon Underground Nummer 10. Und weil es die 10. Ausgabe ist, haben wir uns gedacht, diesmal knallen wir nicht zwei, sondern direkt drei Bands auf die Bühne. Mit dabei sind Kojote, Planedrifter und Sleeping Green.




Um weiter auf dem aktuellsten Stand über das atMOERSphere zu bleiben, solltet ihr euch dringend mal auf deren Kanälen umschauen:






Vielen Dank nochmal an das gesamte Team des atMOERSphere Festivals und hier auch nochmal ein besonderes Dankeschön an Tobias, der hier stellvertretend meinen Fragen Rede und Antwort stand. Ich finde man merkt immer wieder wieviel Herzblut und Opferbereitschaft nötig ist um ein solches Projekt wie das atMOERSphere auf die Beine zu stellen. Ob es einzelne Konzerte sind, Konzertreihen oder kleine und große Festivals; hier haben wir genau die Leute, die die komplette Szene am laufen halten. Ohne die Bands keine Anlaufpunkte hätten, ohne die man keine neuen Kontaktpunkte finden würde und ohne die die deutsche Szene einen wichtigen Anker verlieren würde. Vielen Dank dafür, an euch alle.

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