Auf in die Zielgerade für den anstehenden Weekender! Es geht ab am 09ten Oktober in Düsseldorf im BrauArt auf der Emmastraße und am 10ten Oktober im Dreikönigskeller in Frankfurt am Main. Es wird laut, schwitzig und ich freue mich ganz besonders, mal wieder ein paar Tage mit unseren Tübinger Lieblings-Asseln verbringen zu dürfen. Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn wir euch an einen der beiden Tage begrüßen dürften!
Instrumentale Musik gilt in der Stoner, Doom und Post Szene fast als eigene Unternische - im Gegensatz zu den gängigen Vertretern die uns ihre Geschichten mit Worten und Geschichten direkt erzählen. Dem Zuhörer wird mehr der eigenen Fantasie überlassen und der Rahmen des Erzählten mehr in Form von Bildern oder anderem Material vermittelt. Die Instrumente haben ordentlich Platz und für viele Bands entwickelt sich eine ganz neue Ebene, wenn man nicht auf die Bedürfnisse der singenden Mitstreiter angewiesen ist, welche bespielt, gefüllt und erlebt werden möchte. Ein ganz besonderer Vertreter in beschriebener Bewegung ist TFNRSH aus Tübingen, die mittlerweile deutschlandweit in kleinen und großen Hallen anzutreffen sind. Zwei wundervolle Alben stehen der Band dazu noch im Register, welche eine absolute Hörempfehlung meinerseits darstellen. Ich durfte ein Interview mit den Dreien führen und wünsche euch viel Spaß bei Folge #15 des Blogs rund um die deutschsprachige Stonerszene.

Moin, stellt doch am besten euch und euer Projekt TFNRSH einmal vor. Wer ist alles dabei, was sind eure musikalischen Wurzeln, Einflüsse und was ist die Geschichte hinter der Band?
Moin! Erstmal vielen Dank für eure Anfrage! Wir finden euer Format klasse – genau das, was der Underground braucht und was ihn ausmacht! Weiter so!
TFNRSH sind Sasan, Stefan und Julius – ein instrumentales Trio aus Tübingen. Wir bewegen uns irgendwo zwischen psychedelischem und progressivem Rock mit gelegentlichen Post-Rock- & Stoner-Einflüssen. Dabei versuchen wir, uns nicht zu sehr an Genregrenzen festzuhalten, sondern unseren Ideen die Möglichkeit zur freien Entfaltung zu geben.
Wir kommen aus relativ unterschiedlichen musikalischen Richtungen, was sich unserer Meinung nach sehr gut im Sound widerspiegelt. Jeder von uns bringt seine musikalischen Vorlieben und Einflüsse ein: von Pink Floyd und den Beatles über Mastodon, Lamb of God und Opeth bis hin zu Porcupine Tree, The Cinematic Orchestra, Puscifer & Karnivool.
Gemeinsame Einflüsse sind zum Beispiel Elder, Yawning Man und Russian Circles.
Kennengelernt haben Sasan und Stefan sich ursprünglich beim Fußball. Irgendwann entstand die Idee, gemeinsam Musik zu machen, und aus den ersten Proben und Jams entwickelte sich nach und nach TFNRSH. Aus dem erweiterten Freundeskreis tauchte irgendwann Juli auf und ist seit Herbst 2023 festes Mitglied bei uns. Ohne unseren Danny Carey aus Calw wäre die Band verloren…

Ihr habt mittlerweile 2 Alben veröffentlicht und obwohl ihr rein instrumentale Musik macht, gibt es hinter eurer Musik und einzelnen Tracks doch immer wieder einen tieferliegenden Sinn, der vielleicht für den Zuhörer nicht direkt erkennbar ist. Wenn man den Zusammenhang dann aber verstanden hat, macht das Ganze durchaus Sinn. Vielleicht habt ihr ja ein passendes Beispiel dazu und könnt uns die Idee dahinter genauer erklären.
Für uns muss instrumentale Musik nicht wortwörtlich erzählen. Ohne Gesang und konkrete Texte bleibt dem Zuhörer mehr Raum für eigene Bilder, Gefühle und Interpretationen. Unsere Songs sind teilweise sehr lang und verändern sich ständig. Sie können ruhig und schwebend beginnen, sich langsam verdichten und schließlich in etwas sehr Schweres und Intensives kippen. Genau dieses Abtauchen in eine andere Wahrnehmung ist für uns ein wichtiger Bestandteil der Musik. Dabei ist nicht in Stein gemeißelt, ob die Idee am Ende das Intro, das Outro, oder das komplette Thema des Songs beeinflussen wird. Oft gibt es eine bestimmte Stimmung, ein Bild oder die individuelle Gefühlslage, die am Anfang eines Songs steht. Der Rest entsteht im Flow; mal schneller, mal langsamer.
Im Album „Book of Circles“ z.B. geht es stark um wiederkehrende Zyklen und Entwicklungen menschlicher Emotionen. Die Songs spiegeln sowohl den Kampf mit inneren Konflikten als auch den Druck der äußeren Welt wider, der Einfluss auf diese ständige Auseinandersetzung nimmt, und regt den Hörer dazu an, seine eigenen Gefühle zu reflektieren. Es ist also weniger eine konkrete Geschichte mit Anfang und Ende, sondern eher eine Reise durch unterschiedliche Zustände.
Wer ist für das Songwriting bei euch zuständig und wie läuft so ein Prozess bei euch ab? Dass ihr starke Mucker seid, sollte jedem bekannt sein der euch schonmal live gesehen hat oder sich eure Releases auf die Ohren gelegt hat, beim Songwriting läuft sowas ja meist ein bisschen anders ab. Wird da live gejammt oder gibt es eine treibende Kraft, die Riffs und Songstrukturen in den Proberaum bringt? Und wie geht die Entwicklung eines Tracks weiter, wenn die Grundidee steht?
Vielen Dank erstmal für das Kompliment!
Das Songwriting ist bei uns eine Mischung aus gemeinsamen Jams und Ideen, die zu Hause entstehen. Ein Teil der Ausgangsideen entwickelt sich im Proberaum, die dann ausgearbeitet werden, der andere Teil entsteht dann meist zu Hause.
Viele Songs haben ihren Ursprung in einer Idee an der Gitarre oder den Keys. Das liegt in der Natur unserer Musik, da wir großen Wert auf unverwechselbare Melodien legen, die einen noch lange verfolgen.
Wenn ein Grundgerüst steht, arbeiten wir an Übergängen und Details wie zum Beispiel feineren Soundeinstellungen oder Variationen. Bei unserer Art von Musik ist es besonders wichtig, dass ein Song nicht nur aus einzelnen guten Riffs besteht, sondern als Ganzes funktioniert.
Dabei ist uns wichtig, dass die Songs trotz ihrer Komplexität das Wichtigste bewahren: Atmosphäre entwickeln und Emotionen hervorrufen. Es soll nicht langweilig, aber auch nicht anstrengend werden, dem Song zu folgen.

Foto: Heike Leppkes
Euer Stil was Grafiken, Plattencover etc. angeht gefällt mir richtig gut. Dieser ist ausgefallen, gut erkennbar und setzt sich immer von dem gängigen Strom ab. Teilweise gibt es auch kleine, gut gemachte animierte Videos für Touren, einzelne Konzerte oder Releases. Wer gestaltet das alles und wer kümmert sich zum Beispiel um die Animationen in den Videos? Die visuelle Seite ist heutzutage im Allgemeinen und auch für uns ein wichtiger Aspekt. Wir machen dabei vornehmlich das meiste selbst - auch wenn wir oft an die Grenzen unserer Photoshop-Fähigkeiten stoßen (haha).
Dinge wie das Erstellen von Artwork für Platten überlassen wir dann aber den Profis.
Für unsere beiden Alben konnten wir auf die Erfahrung der Szenegrößen Jo Riou aus Frankreich (für „TIEFENRAUSCH“) und BWTCHD GRFX / Benjamin Nickel (für „Book of Circles“) bauen.
Für ein neues Logo konnten wir Thomas Gasperlmair (@aplacefortom) gewinnen, der unter anderem auch schon für Gojira, Elder oder Godspeed You! Black Emperor designt hat. Und ein aktuelles Konzertposter hat die talentierte Künstlerin Vanessa Slagter (@vanessa.slagter.art) erstellt. Dafür einmal ein dickes Dankeschön an alle, die uns bisher unterstützt haben!
Ihr seid ja doch sehr umtriebig und spielt regelmäßig regionale Konzerte oder seid auf umfassenden Touren unterwegs. Wer kümmert sich darum? Ist das alles noch in eurer Hand oder wird euch da mittlerweile unter die Arme gegriffen?
Das Booking liegt komplett in unseren eigenen Händen und ist nach wie vor ein großer DIY-Bereich bei uns. Wir schreiben Veranstalter und Bands an, koordinieren Termine, planen Routen und kümmern uns um die Kommunikation. Das ist neben Proben, Arbeit und Familie natürlich ein ziemlicher Aufwand.
Gerade in unserer musikalischen Nische funktioniert vieles über persönliche Kontakte und gegenseitige Hilfe. Man lernt sich auf Konzerten kennen, bleibt in Kontakt und organisiert später vielleicht gemeinsam eine Tour oder einen Weekender – so wie schon einige mit unseren Freunden von Wasteland Haze.
Wir spielen einfach sehr gerne live. Deshalb gehört der organisatorische Aufwand für uns dazu – auch wenn man manchmal lieber nur im Proberaum stehen und Musik machen würde.
Seit kurzem seid ihr auch bei Tonzonen aktiv. Betrifft das nur euer Liveprogramm oder wird es auch in der Zukunft Veröffentlichungen von euch bei dem Krefelder Label geben?
Die Zusammenarbeit mit Tonzonen ist für uns ein wichtiger und sehr schöner Schritt. Das Label passt sowohl musikalisch als auch menschlich gut zu uns. Aktuell sind wir Teil der „Edition Vinyl Kommune“ bei Tonzonen, die uns professionell zum Thema Verlagsrecht betreut.
Ob und in welcher Form Veröffentlichungen in der Zukunft über Tonzonen erscheinen, wird sich zeigen. Wir möchten hier nichts vorwegnehmen, aber natürlich wäre eine gemeinsame Veröffentlichung eine spannende Perspektive. Grundsätzlich arbeiten wir gerne mit Partnern, die unsere Musik verstehen und uns nicht in eine bestimmte Richtung drücken wollen.
Kürzlich durftet ihr für die Giganten von King Buffalo die Meute einheizen, gibt es noch andere Bands mit denen ihr richtig gerne mal die Bühne teilen würdet?
Das Konzert mit King Buffalo war für uns sicherlich ein Highlight und wir hatten Spaß, in der Heimat auf einer tollen Bühne vor einem tollen Publikum zu spielen.
Von den ganz großen Namen gibt es sicher die ein oder andere Band, mit denen wir gerne die Bühne teilen würden: Elder, Russian Circles, Slift oder Porcupine Tree – hier würden wir sicher nicht „Nein“ sagen.
Am Ende muss es aber nicht immer der ganz große Name sein. Wir hatten schon viele großartige Abende mit anderen kleineren Bands, die musikalisch und menschlich super gepasst haben. Genau diese Kombination aus gemeinsamer musikalischer Sprache und einem guten Miteinander ist für uns entscheidend.

Foto: Malik Alms
Am 9ten Oktober spielt ihr zusammen mit Wasteland Haze und Space Cruiser im BrauArt in Düsseldorf. Am Folgetag geht es für euch und uns dann noch in Frankfurt am Main weiter. Aus diesem Grund interessiert mich mal ein kleiner Rig Rundown von euch. Auf was können wir uns freuen live auf der Bühne um die Ohren gehauen zu bekommen?
Unser Live-Setup ist im Grunde darauf ausgelegt, möglichst viele Klangfarben aus einem klassischen Trio herauszuholen und nah an Sound der Alben ranzukommen – auch ein Grund dafür, dass wir die Songs im Studio live eingespielt haben – dennoch sollen die Songs live etwas größer und offener wirken als auf Platte.
Die Gitarre ist eine Custom-Anfertigung des Aachener Gitarrenbauers Jochen Imhoff (SIGN Guitars) – als Basis des Designs dienten Rickenbacker Bässe der 400x-Serien. Der Korpus besteht aus Walnuss & Black Korina, der Hals aus Ahorn, bestückt mit zwei Lollar Imperial Low Wind Humbuckern.
Zwei Bandscheibenvorfälle erlauben leider nicht mehr das Schleppen von 100W-Amps und 4x12er-Boxen. Dieser Umstand hat dafür gesorgt, dass das Pedalboard nicht nur für Effekte sondern auch für eine Verstärker- und Boxensimulation genutzt wird. Für Größe und räumliche Atmosphäre wird das Ganze Stereo betrieben. Für wenig Amp-Feeling auf der Bühne sorgen aktuell grandiose RedSound MF.10 FRFR-Boxen. Die Bestandteile des Boards sind auf dem Foto zu sehen. Bei Interesse gerne nach Konzerten mit Sasan nerden.
Der Bass ist ebenfalls stark in den Gesamtsound eingebunden. Neben dem Fundament liefert er teilweise eigene melodische Linien und wird mit verschiedenen Zerr- und Modulationseffekten bearbeitet. So entsteht ein wesentlich breiterer und bewegterer Klang, als man ihn vielleicht von einem klassischen Rocktrio erwarten würde.
Stefan spielt einen Flexx Jacob lefthand Bass aus dem Hause Rheingold in Duisburg. Der knackige Sound des Basses kommt aus einer Eich 4x10 Box mit 8 Ohm, die von einem Orange Terror Bass 500 versorgt wird. Für mehr Drive sorgt, wenn nötig, im Wesentlichen ein Darkglass AlphaOmega. Reverb und Delay erzeugen Space Spiral und Ghost Echo von Earthquaker Devices. Ab und an kommt noch ein Loop zum Einsatz.
Daneben steht noch der Korg Minilogue XD auf der Bühne, der von Stefan und Sasan bedient wird. Mit seinem Stereosignal definitiv ein gutes Tool, um den Sound in die Breite zu erweitern. Teils werden die Sounds über den Sequencer abgespielt, teils live gespielt. Seltener haben wir Spuren damit aufgenommen und lassen sie über das Gitarrensignal laufen.
Das Schlagzeug ist ein Mapex Mars Pro aus den 90ern. Die Kesselgrößen sind mit 10x10, 12x10, 14x12, 22x18 und einer 14x5 Snare eher Standard. Allerdings kann mit den Fellen und einem Händchen fürs Tuning wahnsinnig viel rausgeholt werden (wie man auf Book of Circles sicherlich raushören kann). Für die Toms und Kick sind es seit Jahren konstant Remo Felle, mal clear, mal coated - je nach Gusto. Beim Thema Snare führt seit langer Zeit aber kein Weg mehr am Evans Genera HD dry vorbei. Hardware ist überwiegend von Tama. Die Tama Speed Cobra ist nicht mehr wegzudenken. Beim Beckensound schwören wir auf die sensationelle Byzance-Serie von Meinl.