Dienstag, 21. Juli 2026

Sonderfolge: Das Swampland Festival in Hannover

 Liebe Freunde! Diese Woche gibt es mal eine Sonderausgabe zusätzlich zur Story am Mittwoch. Der Grund ist relativ simpel; ich hatte die große Ehre mit meiner Band Wasteland Haze auf dem Swampland Festival in Hannover zu spielen! Und um die Spanne zwischen meinem kleinen Nachbericht, inklusive Interview mit den beiden Organisatoren zu der eigentlichen Veranstaltung nicht noch größer werden zu lassen, gibt es diese Woche halt etwas mehr zu lesen. HURRA!

Das Swampland ist ein jährlich stattfindendes Ein-Tages-Festival, welches auf dem PlatzProjekt in Hannover veranstaltet wird. Schwerpunkt des Ganzen ist ein sauber kuratierter Mix aus Stoner, Doom und verschiedenen Abarten des Psychedelics. In familiärer Atmosphäre spielten dieses Jahr 5 Bands, beginnend ab 16 Uhr bis spät in die Nacht und nahmen den Zuhörer dabei mit auf eine abwechslungsreiche Reise. Bereits beim Opener war die Fläche gut gefüllt und das Dreigespann Polly aus Berlin wusste hier vom ersten Track an voll von sich zu überzeugen. In frisch interpretierter, aber dennoch vertrauter, Sabbath-Manier legte das junge Trio furios los und legte damit den Grundstein für eine gelungene Veranstaltung. Als nächstes waren wir schon dran und legten einen ordentlichen Auftritt auf die Bühne, den ich hier aber garnicht weiter kommentieren möchte, dass sollen andere machen ;) Dritte Band im Bunde war Fuzziebär aus Hannover und die legten hier direkt mal einen Gang zu. Während es bei Polly und uns bedeutend schleppender und doomiger zu Werke ging, spielte das Trio Vollgas Stonerpunk und konnte damit die immer weiter wachsende Menschenmenge förmlich in ihren Bann ziehen. Es wurde sogar ein kleiner Pogo auf der Tanzfläche des Swamplands gesehen. Ein gekonnter Mix, irgendwo zwischen alten Stonerklassikern, bekanntem Punkgeballer und den Ärzten (?!) pflügte durch das Platzprojekt. Als vierte und damit vorletzte Band zeigte Der Neue Planet aus Köln ihr musikalisches Finesse. Die einzige Formation des Abends die kein Power-Trio war, bestach durch ein völlig unvorhersehbares Maß an Abwechslung. Von dünigem Stonerrock, zu jazzigen Gitarrenliebeleien, über spacige Ausritte hinauf zu knackigem Bluesrock präsentierten sich die Vertreter aus unserer "ungeliebten" Lieblingsnachbarstadt in Top Form und spielten sich regelrecht in Extase. Mit zunehmender Dämmerung kam auch der SpaceRock typische Ansatz der Band immer mehr zu Geltung und geleitete die jubelnde Menschenmenge auf einen wilden Ritt durch die verschiedenen Himmelskörper, die langsam über uns erkennbar wurden. Als letzte Band des Abends spielte ein uns bereits bekanntes Trio aus dem Herzen des Ruhrgebietes. Aeon Temple fegten mit ihrem neuen Album furios über die Außenbühne des bereits von verschiedenen Lampen und Kunstformen erhellten PlatzProjekts. Unter lautem Beifall brachte die Band ein Pfund StonerRock in die Gehörgänge der teils weit angereisten Stonerfans. Ein gelungener Abschluss eines wirklich tollen und liebevoll organisierten Festivals. Der Rest der Nacht dünstet wie so oft in Bier und Gespräche mit neuen und altbekannten Gesichern. 



Im Weiteren gibt es noch ein Interview mit Max, der stellvertretend für das Orga-Team rund um das Swamplands meinen Fragen Rede und Antwort stand, viel Spaß.


Stell dich und euer Projekt doch einmal bitte kurz vor. Seit wann gibt es das Swampland und wie entstand die Idee des Festivals?

Ich bin vor etwa 9 Jahren von München und Saarbrücken nach Hannover gekommen und war überrascht, dass es neben vereinzelten Clubkonzerten keine regelmäßigen Veranstaltungen für Stoner-Rock, Heavy-Psych und verwandte Musik gab. Außerdem war die Musikszene kaum vernetzt. Ich wollte deshalb eine Plattform bieten, auf der sich Bands aus der Region präsentieren und kennenlernen können. So ist die Idee des Swamplands entstanden.

Ich hatte davor bereits unangemeldete Konzerte in Saarbrücken und Hannover veranstaltet, mit einem Benzingenerator. Mit dem Osco auf dem Platzprojekt gab es jetzt die Möglichkeit eine sichere und größere Open Air Veranstaltung aufzuziehen. 2024 fand das erste Swampland statt, seitdem sind jedes Jahr mehr Gäste gekommen und es spielten immer weniger lokale, sondern überregionale Bands, beim letzten Mal aus NRW und Berlin.

In den ersten zwei Jahren wollten wir außerdem eine Möglichkeit schaffen, mit den eigenen Bands vor interessiertem Publikum zu spielen. Für mich war das die Band „Lillim“. Dies ist 2026 aber in den Hintergrund gerückt.



Was mich persönlich sehr gefreut hat und uns allen sehr aufgefallen ist, war der freundliche und familiäre Empfang und Umgang der Swampland Crew. Gerade wenn man sich klar macht, wie stressig das für euch in den letzten Stunden vor dem opening gewesen sein muss. Teile des Teams kamen sogar von sehr weit weg extra zur Unterstützung angereist. Woher kennt ihr euch und wie setzt sich die Swampland Familie zusammen?

In den ersten zwei Jahren habe ich das Swampland mit Lena organisiert, eine Freundin, die in den Bands Dense Objects und Infinite Eyes spielt. Ihr Fokus hat sich im letzten Jahr auf andere Dinge verschoben, deshalb hat Lennart ihren Part übernommen. Lennart kenne ich vom Swampland 25. Damals ist er mit der Band FRIDA aus Hannover aufgetreten.

Da ich in den letzten Jahren viel unterwegs war, ist ein großer Teil meines Bekanntenkreises nicht aus Hannover, sondern in der BRD verteilt. Einige sind auch Stoner Fans, so ist die Crew eine Mischung aus Leuten, die in Hannover aber auch in ganz Deutschland verteilt leben (z. B. Bonn, Mainz, Kassel).




Bei euch waren nur Underground-Bands zu Gast, ohne einen großen Headliner und man merkt da direkt einen Gegenentwurf zu den bekannten Festivals die auch dieses Wochenende stattgefunden haben. Ist das der Weg den ihr auch für die Zukunft plant?

Wie oben beschrieben, war das Swampland ja erst eine Möglichkeit, selbst zu spielen und sich mit der Szene in Hannover zu vernetzen. So sind der Charakter des Festivals und die Bandauswahl entstanden.

Ich persönlich denke aber auch, dass es enorm viele starke mittelgroße Bands gibt, die gegenüber den bekannten Acts, oftmals aus den USA, zu kurz kommen. Wie wir in Zukunft booken werden, ist aber noch nicht entschieden, das besprechen wir gemeinsam von Jahr zu Jahr.


Trotzdem war eine Menge los. Wieviele Leute waren da?

Wir müssen nochmal genau kalkulieren, es waren aber ca. 140 Leute.


Die Bands waren durchweg gut durchmischt und es gab wahrscheinlich für jeden den passenden act. Wie setzt ihr euer Lineup zusammen?

Wir legen freilich den Fokus auf Heavy-Psych und Stoner-Rock. Grundsätzlich freuen wir uns aber, wenn benachbarte Stile ebenfalls vertreten sind, etwa Post-Rock, Post-Metal, Progressive-Rock, Doom usw. Im Jahr 2026 war die Auswahl sehr am Stoner-Rock orientiert, das fanden wir aber auch sehr schön! Wir überlegen uns schon, was das Publikum interessiert, letztlich entscheidet aber unser eigener Geschmack. Wir laden nur Bands ein, die wir selber auch gerne hören würden und am Ende soll der Tag auch musikalisch abwechslungsreich sein.

Wir versuchen zudem darauf zu achten, dass nicht nur Männer auf der Bühne stehen, was gar nicht so einfach ist. Auf der Bandseite gibt es einfach (noch?) relativ wenig Frauen.



Es war ein extrem gemischtes Publikum vom Stonernerd, über den Doomer hin zu ganz normalen Leuten die ihren Weg zu euch gefunden haben. Vielleicht bietet euer Festival ja einen guten Zugang zum heavy underground. Wie siehst du das?

Ja, das hoffen wir! Es wäre schön, wenn das Swampland als einzige feste Heavy-Psych-Veranstaltung in der Region nicht nur ein Ort für Fans ist, sondern auch neue Leute zur Musik bringt.


Erkläre mir das Platzprojekt und das Osco. Wie sind da die Wurzeln und euer Bezug dazu?

Das Platzprojekt ging aus der unangemeldeten Nutzung einer brachliegenden Fläche hervor. Mit Fördermitteln des Bundes zur Stadtentwicklung ist es schließlich zu seiner heutigen Form gewachsen. Es beheimatet etwa 33 Projekte, z. B. ein Kicker-Club, einen Craft-Bierbrauer, einen Massagecontainer und viele mehr. Der Osco Open Space bietet einen professionellen Spielort, an dem man selbst für eine Aufwandsentschädigung Konzerte und Partys veranstalten kann, mit fantastischer Akustik und Technik. Das ist für uns ein großes Glück und erleichtert ungemein die Organisation.

Privat sind wir selbst regelmäßig auf dem Platz, etwa zum Flohmarkt, auf einem Konzert oder um ein Bier zu trinken.




Eine wirklich tolle,.einmalige Location. Gab es mal die Idee einer Verlegung oder was wären die alternativen in Hannover?

Da das Osco so viele Vorteile bietet, ist eine Verlegung erstmal nicht geplant. Aber wer weiß, was die kommenden Jahre bieten? Grundsätzlich stand immer mal wieder im Raum, ein 2-Tagesfestival zu organisieren, dazu bräuchte man einen anderen Ort. Aber das wäre eine ganz andere Herausforderung und mit unserem aktuellen Orga-Duo nicht zu schaffen.



Für wann ist das nächste Swampland geplant, wie können die Leute euch unterstützen und wie kontaktieren euch Bands, die sich einen Slot bei euch vorstellen könnten.

Ein Swampland 27 ist nicht sicher, aber wahrscheinlich. Auf der einen Seite macht die Orga erstaunlich viel Arbeit, das ganz Jahr über. Lennart und ich übernehmen das unentgeltlich, wie auch alle, die uns beim Getränkeverkauf beim Einlass usw. unterstützen. Auf der anderen Seite haben wir den Eindruck, dass es gut angenommen wird und wir an einem sinnvollen Projekt arbeiten, das hoffentlich die Musikszene fördert und weiterbringt.

Bewerbungen und Fragen könnt Ihr uns via swampland_groove@outlook.com senden.

 

Danke an alle die da waren, uns unterstützt oder gespielt haben und an Christian für das Interview!

Lennart und Max


Vielen Dank, dass ihr wieder Teil dieser Episode wart. Das Swampland zeigt wie man mit Leidenschaft, Elan und Pioniergeist eine wunderbare und zukunftsträchtige Idee in die Tat umsetzt. Einfach vielen lieben Dank an das ganze Team des Swamplands, es war ein fantastischer und herzlicher Abend bei euch. Das PlatzProjekt ist ein fantastischer Ort und wie gemacht für Festivals dieser Art! Es dürstet nach Wiederholung.

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