Freitag, 31. Juli 2026

Tapeworm: The List Rotation Update

 Mit dem dieswöchigen Playlistupdate gibt es nicht nur wieder 5 frische Bands auf der Playlist auf Spotify, sondern es gehen auch die ältesten Songs von der Sammlung. In diesem Fall verlassen direkt 10 Songs die Playlist und machen Platz für ein neues Hörerlebnis. Durch die Rotation bekommt ihr einmal im Monat sozusagen eine komplett frische Reise durch den deutschsprachigen Underground. Zieht es euch rein, teilt die Liste und guckt bei den Bands bei Bandcamp vorbei! Das geht ganz einfach, immer nur auf den Bandnamen klicken in der Bandbeschreibung und schon seid ihr da.

 

HIER GEHT ES DIREKT ZUR PLAYLIST 

 

 
 

Kalamata - IS: Mit ihrem im Juni erschienen Album ZENOSYNE haben die Hildesheimer Instrumentalisten ein richtig dickes, wuchtiges Brett von einem Album auf die Straße gebracht. Absolute Hörempfehlung mit gigantischen Passagen, einem fantastischen Aufbau und perfekt inszenierten Ausbrüchen stellt dabei die zweite Nummer auf dem Album "IS" dar. Das komplette Album ist ein Meisterwerk, aber dieser Song hat mich nochmal mehr gecatched. Am Dienstag, dem 4ten August könnt ihr die Jungs live im Cafe Glocksee in Hannover erleben!

 


Mass Rift - Nightcrawler: Bereits 2024 erschien "Written in Stone" von Mass Rift aus Hamburg. Ein epochaler StonerRock-Knaller, der sich selbst vor den gängigen internationalen Interpreten nicht verstecken muss. 2024 - wie die Zeit vergeht... wir bitten um Nachschub!

 

From Yuggoth - A Crimson Dawn: Wer dieses Wochenende das Blue Moon Festival in Cottbus besucht, kann sich auf eine geballte Ladung Stoner, Doom- und Sludgebands gefasst machen. Neben einigen wirklich großartigen internationalen Vertretern haben es einige hiesige Bands in das Roster für das Festivala geschafft. Neben Colour Haze, Kuyper, Van Groover und anderen mischen sich auch From Yuggoth aus Dresden und geben ihr gnadenloses Doombrett im Strombad zu Gute. Fettes Ding, haut euch das rein und meiner Information nach gibt es sogar noch Tickets für das Blue Moon Festival! Hin da!

 

 

Space Cruiser - ABABCA: Das instrumentale Trio aus Kaarst ist eine stimmige Mischung aus klassischen Stoner und SpaceRock Elementen. Zu ihrem neuesten Werk ABABCA kommen bei mir gewisse Heavy Metal (Ja, ich meine hier den Film und explizit das Meisterwerk des ersten Teils!) Vibes auf! Absolut guter Song, coole Stimmung, passt! Ist noch ein bisschen was hin, aber wer möchte kann sich die Jungs gerne im BrauArt als Special Guest zusammen mit TFNRSH & Wasteland Haze angucken.


 

Deaf Giant - Abyss: Genau wie die oben vorgestellten From Yuggoth dürfen sich auch Deaf Giant aus Lübeck über einen Slot auf dem Blue Moon Festival in Cottbus freuen. Eine wirklich tolle Geschichte, wievielen aufstrebenden Bands aus Deutschland hier eine Bühne vor einem großen Publikum geboten wird. Deaf Giant werden dieses Wochenende mit ihrem brachialen Sludge Metal auf jeden Fall für Aufruhe sorgen, dass ist klar.

Mittwoch, 29. Juli 2026

Blogworm #5: Die New Wave of German Stoner

Es ist schon wieder Mittwoch, es ist schon wieder warm und der neue Blogworm steht in den Startlöchern. Mittlerweile schon Blogworm #5 und damit haben wir den ersten Monat des Blogs fast schon durch... ich möchte mich nochmal herzlichst bei allen neuen Followern und Lesern bedanken. Der Juli war eine Mordsgaudi und ich hoffe, dass ich euren Erwartungen an diesen Blog gerecht werde. Viel Spaß bei der nächsten Folge des Blogs rund um den deutschsprachigen Heavy Underground, mitsamt seiner Peripherie.

 

In der heutigen Blogworm-Folge geht es um eines meiner eigenen Herzensprojekte, welches ich damals mit meinem Wasteland Buddy Björn an den Start und in die Gänge gebracht habe. Die New Wave of German Stoner ist ein Promotionnetzwerk, welches rund um Björns gleichnamige Spotify Playliste aufgebaut wurde und immer wieder verschiedenen Bands aus Deutschland die wohlverdiente Aufmerksamkeit auf Instagram gibt. Mittlerweile habe ich mich aus dem aktiven Teil der New Wave zurückgezogen und hier Platz für den dritten Wastelander Hendrik gemacht, da ich mich mehr um Tapeworm und somit auch diesen Blog kümmern möchte. Stellvertretend für die Beiden hat Björn mit mir ein sehr interessantes Interview geführt über die New Wave, den Start als DIY-Band und den lang ersehnten Weg aus dem Proberaum.

 


 

Moin Björn, erzähl mir doch erstmal was über dich und wie deine Verbindung zum Heavy Underground zustande gekommen ist.


Hi, als ich mich nach einer längeren musikalischen Pause wieder aktiv nach einer Band umschaute, bin ich zufällig bei einem Stonerprojekt gelandet. Dadurch war ich sozusagen "gezwungen" mich mit den verschiedenen Bands und deren Musik auseinanderzusetzen. Klar, mit Sabbath und Kyuss bin ich aufgewachsen, aber was sich daraus im mehr oder weniger Underground entwickelt hatte, war lange Zeit an mir vorbeigelaufen.



Erzähl mir etwas über die New Wave of German Stoner, am liebsten natürlich von der Ursprungsidee zum heutigen Konzept.

Als wir mit Wasteland Haze angefangen haben, Musik auf Spotify zu veröffentlichen, bin ich über das Feature der Künstler-Playlist gestolpert. Dann habe ich mir damals ein paar Gedanken dazu gemacht, wie man das sinnvoll nutzen kann. Die Idee war von Anfang an, sich durch die Playlist mit anderen kleinen bis mittleren Bands in der deutschen Stoner-Szene zu vernetzen. Also hab ich am Anfang mal alle deutschen Stonerbands, die ich über Social Media gefunden habe durchgehört und wenn mir ein Song gefiel ihn mit in die Liste gepackt. Naja, damit war ja aber in Sachen Vernetzung noch nichts erreicht. Also haben wir angefangen, die Liste über Social Media zu promoten und die Bands zu verlinken. So hat sich das ganze nach und nach weiterentwickelt und es kamen erste Anfragen an mich, weitere Bands aufzunehmen. Wir haben die Liste dann auch über eine Flyer/Aufkleber-Aktion auf dem Freak Valley und auf unseren Gigs promoted. Mittlerweile machen wir neben Bandvorstellungen auch Promo für Konzerte und Neuerscheinungen und veranstalten mehrmals im Jahr Konzerte unter dem New Wave Label im Druckluft in Oberhausen.

 


Wie sucht ihr die Bands für eure Vorstellungen zusammen und können euch Bands anschreiben, um einen Promotionplatz zu bekommen?
 

Am Anfang habe ich die Bands selber aktiv gesucht und einen Kontakt hergestellt, mittlerweile kommen doch schon einige Anfragen rein. Bands können sich gerne über Instagram melden, gerne auch mit einer kleinen Bandinfo (2-3 Sätze) und 2 Fotos, wenn es in die Bandvorstellungen gehen soll. Ansonsten machen wir natürlich auch Collabs oder teilen Beiträge. Einfach markieren oder anschreiben. 

 

Habt ihr noch Kontakt zu anderen Promotion oder Bookingnetzwerken neben mir mit Tapeworm?

Ein paar Promo-Platformen auf Instagram scheinen aktuell nicht mehr aktiv zu sein, da ist die Zusammenarbeit mehr oder weniger eingeschlafen. Ansonsten besteht eigentlich hauptsächlich noch Kontakt zu FuzzyTime mit denen wir auch regelmäßig zusammenarbeiten.

 

Die Kritik für Spotify wächst stetig und mittlerweile nehmen immer mehr Musiker ihre Werke von der Plattform. Wie siehst du das und gibt es gegebenfalls bereits schon Ideen und Projekte um eventuell auf einen anderen Service umzusatteln?

Klar verstehe ich die Kritik an Spotify voll und ganz und es wäre toll, wenn dort vieles anders liefe. Allerdings ist es für kleine Künstler und Bands nach wie vor die größte Werbe- und Promoplattform der Welt. Und so muss man das ganze meiner Meinung auch sehen. Ich sehe Spotify einfach nur als Möglichkeit, weltweit sehr viele Menschen mit der eigenen Musik zu erreichen. 
Aktuell ist die New Wave auf Spotify beschränkt, es gibt allerdings Überlegungen, auch einen YouTube Kanal mit Album Promos und eventuell auch Compilations an den Start zu bringen. Interessierte Bands können sich gerne auch bei mir melden.

 



Wie siehst du die Entwicklung bei Social Media, was die Promotion von Bands und Künstlern angeht? Gefühlt sind kurze Clips und Einspieler, teils mit sinnlosen Inhalten, bedeutend erfolgreicher als der klassische Promobeitrag und Stories.


Ja, die Erfahrung zeigt bisher, dass man mit kurzen Reals ein wesentlich größeres Publikum erreicht, als mit klassischen Bild/Text Beiträgen. Insgesamt ist gefühlt im Social Media Bereich meiner Meinung nach ein Einbruch erkennbar. Allerdings gibt es bisher auch kaum sinnvolle Alternativen für kleine Bands, sich selber zu promoten. 

 

Neben deiner Arbeit für die New Wave sind du und Hendrik natürlich noch mit mir zusammen bei Wasteland Haze aktiv, womit wir schon gut rumkommen und ein ordentliches Tour-Programm auf die Beine gestellt bekommen. Was würdest du jungen Bands empfehlen um an Konzerte und die wichtigen Verbindungen zum Heavy Underground zu kommen?

Meine Empfehlung ist, Kontakte zu anderen Bands/Musikern zu knüpfen. Man kann z. B. auf kleine Konzerte zu gehen, wo sich die Szene trifft. Dort kommt man meist schnell mit Gleichgesinnten ins Gespräch, denn vieles läuft am besten über persönliche Kontakte. Für den Anfang ist es auch immer gut, selbst was auf die Beine zu stellen. Wir haben unsere ersten Konzerte auch im Proberaum und im Brauart komplett DIY-mäßig gemacht und dabei erste Erfahrungen gesammelt.



Die erste Hürde für Bands ist natürlich schonmal das Bereitstellen einer geeigneten Demo-Aufnahme. Einige Bands schaffen es kaum aus dem Proberaum, da kein Material bereitsteht um sich um Venues bemühen zu können. Björn, du hast mit Wasteland Haze und auch mit der vorherigen Band alles direkt im Proberaum aufgenommen, gemischt und gecuttet. Was würdest du sagen ist die minimale Einrichtung, die man für ein Demo braucht?

Minimale Einrichtung...mhh. Also man braucht eine Möglichkeit, mehrere Spuren parallel aufzunehmen und ein paar Mikros. Dann kann es eigentlich schon losgehen. Das wichtigste aus meiner Erfahrung ist, einfach anzufangen und nicht auf das richtige Equipment zu warten. Mach das beste aus dem, was du schon hast. So haben wir es im Anfang immer gemacht und sind damit ganz gut gefahren. Und dann natürlich YouTube als große Informationsquelle, wenn man in das Thema Recording einsteigen will. 

 

Und wie lange braucht man um ein halbwegs gutes Demo zu mixen und zu mastern?

Schwierige Frage, das hängt extrem vom Erfahrungslevel und vom eigenen Anspruch ab. Und von der Qualität der Aufnahme. Kann da keine festen Zahlen nennen. 

 

Die erste Demo ist geschafft und hört sich gut an, wie geht es weiter um die ersten Gigs bespielen zu können?

Erstmal Demo veröffentlichen und auf allen möglichen Kanälen Promoten (YouTube, Streaming-Dienste usw) und dann heißt es Kontakt zu Läden und Veranstaltern aufnehmen, aber darüber kannst du selber vermutlich mehr erzählen :). Ich würde nochmal den Punkt von oben aufgreifen: Am Anfange gerne auch mal selber was organisieren, z. B. im Proberaum oder im Jugendzentrum um die Ecke.

Kleine Anmerkung vom Tapeworm am Rande: Es ist eine Schweinearbeit und der Weg selber im nächsten Jugendzentrum oder Bar was zu organisieren und so eventuell den Konktakt zu einer regionalen Band herzustellen ist bei weitem nicht so Arbeits- und Zeitintensiv wie zigtausende Emails ins Leere zu schreiben. Bleibt erfinderisch ;)

 

Wie siehst du die Chancen kleiner Underground Bands und die Liveszene im allgemeinen? Es gibt ja eine klare Tendenz, dass das kleine Eckkonzert immer weniger besucht wird.

Tja, das stimmt natürlich. Man kann halt immer nur versuchen, Leute im Freundes- und Bekanntenkreis zu motivieren, rauszugehen und kräftig die Werbetrommel rühren. Wenn es keine Szene in deiner Stadt gibt, dann bist du der Startpunkt für eine. 

In anderen Städten ist ein lokaler Support natürlich immer Gold wert.

 

Mittlerweile veranstalten wir ja zusammen mit der New Wave auch Konzerte zum Beispiel im Druckluft in Oberhausen am 27.11.2026 mit Kardeathian, Zen Trip und Nazca Space Fox. Was bedeuten dir die Konzerte an denen du eher als Veranstalter unterwegs bist?

Wir sind natürlich wahnsinnig glücklich, dass wir die Chance haben, so etwas auf die Beine zu stellen und wir freuen uns jedes mal riesig, vor Ort dann mit den Bands und dem Publikum einen tollen Abend zu genießen. Das das Ganze dann auch unter dem Label New Wave of German Stoner läuft, macht einen natürlich auch irgendwie stolz. 

 

 

VVK TALES FROM THE UNKOWN II 


Wie siehst du die Entwicklung und die Zukunft der deutschen Stoner Szene?

Derzeit kommen viele neue musikalische Einflüsse in die Szene, gleichzeitig kämpfen immer mehr Live-Veranstaltungen mit sinkenden Zuschauerzahlen und auch der Online-Konsum geht gefühlt zurück. Ich sehe die Zukunft mehr denn je im DIY/ Nonprofit -Bereich, denn es gehört immer eine ordentliche Protion Idealismus dazu.



 

Checkt auf jeden Fall die Kanäle der New Wave of German Stoner aus!

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DIE NEW WAVE AUF INSTAGRAM 

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Ich danke Björn für das tolle und aufschlussreiche Interview. Mit der New Wave of German Stoner entwickelt sich eine Struktur innerhalb des deutschen Stonerkosmos, welche mit Herzblut, Fleiß und kreativen Ideen immer wieder Bands eine Plattform bietet, die im täglichen Wahnsinn des Musikdschungels untergehen würden. Supportet den Underground, teilt Inhalte, stellt selber was auf die Beine und versucht das vorzuleben, was ihr von eurem Gegenüber erwartet. Seid ein netter und sich einbringender Kontakt, organisiert, vernetzt und geht selber mal auf ein Konzert. Nur so können wir alle gemeinsam wachsen. Genießt das Wetter, der Winter naht. 

Freitag, 24. Juli 2026

Tapeworm: The List Playlist Update

 Es geht weiter mit der Playlist rund um die deutschsprachige Stonerszene. Diese Woche das letzte Mal nur mit Neuzugängen, denn ab nächster Woche rotieren die ältesten Songs wieder runter und ihr habt sozusagen einmal im Monat immer eine komplett neue Liste an Songs zum durchhören. Also zieht es euch rein, teilt die Liste mit euren Freunden und unterstützt gemeinsam den Heavy Underground.


HIER GEHT ES DIREKT ZUR PLAYLIST




Giant Lungs - Resonora: Wer sich in den letzten Jahren auch nur ein bisschen mit Stoner aus den hiesigen Gefilden beschäftigt hat, wird schnell gemerkt haben, dass an Giant Lungs kaum ein Weg vorbei führt. Das Quartett aus Augsburg liefert einen wunderbar warmen, authentischen Sound und bereits mit ihrem ersten gleichnamigen Album setzte man ein Zeichen, weit über die Grenzen der Republik hinaus. Mit ihrem Ende 2025 erschienenen Album "Praise the laze" setzte die Band ein weiteres Ausrufezeichen und einen Meilenstein in ihrer jungen Geschichte. Lass das mal feiern mit Resonora, Bombentrack!


Van Groover - The Bandit: Totgesagte leben länger trifft es wahrscheinlich am ehesten, wenn man sich die jüngste Geschichte der Gießener zu Gemüte führt. Nach einem furiosen Start der Motoren im Jahr 2021 löste sich die Band Ende 2024 aufgrund persönlicher Differenzen auf. Bassist Helwig scharte 2025 ein neues Gespann mit Damir Palic und Gabriel Lindenberger um sich und bringt den Van wieder auf die Spur. Starkes Comeback der Gießener! Zieht euch die Jungs auf ihrer umfassenden Tour rein! Absolut wilde, brachiale Stonercombo!




Zen Trip - Ghosttown: Passend zum dieswöchigen Blogworm bekommt natürlich der Fuzzpapst Bernd Krüger mit seinen Mannen von Zen Trip einen Platz auf der Playlist. Aus ihrem 2022 veröffentlichten Album "Sun Voyage" gibt es den Psychedelic-Groove Hit Ghosttown. Wir brauchen Nachschub, Jungs! Wer die Band demnächst live und in Farbe auf einem wunderbaren Festival sehen möchte, sollte sich mal das Burg Herzberg Festival angucken.




Black Charger - Small Town: Black Charger steht für ehrlichen, handgemachten Stoner, ganz im Sinne der Pioniere des Genres. Die motivierten Jungs aus Osnabrück, rund um Frontmann Christian Bögelmann, feierten 2025 die Veröffentlichung ihrer Platte "Small Town" auf Clostridium Records und brachten damit ein langersehntes Sammlerstück auf Vinyl raus. Gutes Ding und Pflichtprogramm für Fans von Kyuss, Fu Manchu und Konsorten.


RotoR - Volllast: RotoR ist eine absolute Instanz innerhalb der instrumentalen Stonerszene und lieferten mit Volllast einen meiner Top Tracks, eben dieser Art. Eigentlich braucht es kaum eine Vorstellung der Berliner, zieht euch ihre Tracks und Videos rein, lohnt sich.





Mittwoch, 22. Juli 2026

Blogworm #4: Der Fuzzpapst

Heute in der Story habe ich eine absolute Psychedelic Rock Legende aus dem tiefsten Ruhrgebiet bei mir. Bernd Krüger tourt seit über einem Jahrzehnt mit seiner Band Zen Trip durch die Hallen und Festivals der Republik und hat schon längst Kultstatus als lebendige Zeitkapsel erreicht. Seit einiger Zeit ist er auch noch einer der Eckpfeiler bei der Organisation eines der spannendsten Läden des Potts, dem Backyard Club in Recklinghausen. Viel Spaß beim Lesen der vierten Ausgabe des Blogworms.

 

 
 
 
Moin Bernd, vielleicht stellst du dich nochmal kurz selber vor. Du bist ja mittlerweile in Rente (würde mir auch gut stehen) und bist bestimmt viel rumgekommen, in welchen Kapellen warst du bisher aktiv?

Fuzzige Grüße aus dem Zenland, es schreibt Bernd Krüger...!!!

Ja kurz zu mir, bin gebürtiger Schwerter und wohne jetzt seit 4 Jahren in Herten bei Recklinghausen. 

Beruflich habe ich nach 40 jähriger Betriebszugehörigkeit meinen Job als Verfahrensmechaniker freiwillig beendet und bin jetzt in der Betreuung für Grundschüler in den Fächern Musik & Deutsch tätig.

Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen, mein Vater spielte ebenfalls (Akustik) Gitarre, was mich bei den damaligen Familienfeiern schon sehr begeistert hat. Als dann meine ältere Schwester mir Singles von Led Zeppelin, Deep Purple und Jimi Hendrix vorspielte war meine Passion geboren. Als Autodidakt (Lediglich -eine- offizielle Gitarrenstunde) habe ich mir ALLES selbst beigebracht. Der musikalische Weg führte dann über Schüler und Jugendheim Bands... wir coverten mehr schlecht als recht Songs von Sabbath, Hendrix usw. Irgendwann versuchte man sich auch an eigenen Songs... es gab viele Bands bis dahin, deren Namen ich z.T. vergessen habe, aber immer viel Blues & 70iger Rock und als Trio Formation. Vor ZEN TRIP gab es die Band "The Late Experience" (Von denen es auch noch recht gute Aufnahmen gibt). Heavy Blues Rock im Stile von... naja 3x dürft Ihr raten... Hendrix, Stevie Ray Vaughan etc. meine Heroes halt !!!

Auch da gab es schon viele Auftritte, vom Szene Club bis zum Blues Festival! Tolle Erlebnisse aus diese Zeit, dass würde aber hier den Rahmen sprengen... vielleicht bei anderer Gelegenheit.

Bevor es zur Gründung von Zen Trip kam gab es noch ein kurzes Gast -und Vorspiel bei einer Monster Magnet Tribute Band! War klasse und die Jungs hätten mich gerne dabei gehabt… ABER ich wollte einfach was -EIGENES- machen !!!

 



Reden wir erstmal über Zen Trip. Wer ist alles dabei und wie ist eure Geschichte?

Ja ZEN TRIP… eine Kumpels & Herzensband, und das schon seit 11 Jahren in der gleichen Besetzung ... aber alles schön von Beginn an! 

Wir Drei, dass sind meine Wenigkeit, Stephan Makrutzki (Schlagzeuger) & Stefan Peddinghaus (Basser) kannten uns schon vom Sehen und kurzen Smalltalks aus dem Proberaumzentrum in Dortmund. 

Wir alle standen alle irgendwie vor einem musikalischen Neuanfang… ein erstes Treffen und eine gemeinsame Jam… jaaa genau das ist es!!! Drum-Stephan der aus der StonerSzene stammt… Bass Stefan der wirklich ALLES top begleiten kann und meine musikalische Verbundenheit zu den 70igern… ZEN TRIP war geboren!!! Viele Riff -und Songideen, die wir alle irgendwie schon im Kopf hatten, konnten endlich umgesetzt werden und das abgerundet mit einer psychedelischen Note und Jam Charakter!!!

 



Ihr seid wahrscheinlich einer der authentischsten Vertreter des Fuzzrocks, die mir bekannt ist. Wenn man euch auf und vor der Bühne sieht, merkt man richtig, dass ihr das vollends lebt und der Spirit der 70er aus jeder Pore tropft. Wie sieht so eine Bandprobe bei euch aus und wie schreibt ihr eure Songs?

Aktuell stehen jetzt über 150 Auftritte in unserer Bandbio - vom Kneipen Gig bis zur großen Festival Bühne. Ja, diese Authentizität,..eigentlich wissen wir selbst nicht so genau wo es her kommt. Wir alle geben uns einen weiten musikalischen Spielraum, niemand wird in die Ecke gedrängt - das musst du so spielen oder so spielen - das gibt es bei uns nicht, wir entwickeln den Song nur gemeinsam, es muss uns ALLEN gefallen!

Gerade bei den Livekonzerten gibt es oft diese gemeinsame Magie vor allem in den Jamparts...wann wird es leise ...??? wann wieder laut ???… das passiert alles ohne Abspache… wir sind halt im ZEN TRIP… follow your flow ..hahaha !!!

Dazu Vintage Equipment… 70iger Mode, lange Haare und viel Bier !!! 

Ein normaler Abend im ZT Proberaum? Meist starten wir mit einem bekannten, bewährten Song um uns einzugrooven und aktuell bringen wir dann unsere Ideen für neue Songs/RIffs und Abläufe zusammen, hängen Fragmente aneinander oder suchen nach Intro Ideen und neuen Sounds.


Ihr habt euch, gerade live, durch eure Attitüde und Authentizität eine ziemlich große Fangemeinschaft aufgebaut. Die Leute fahren wahnsinnig auf eure kompromisslose Echtheit und euren Sound auf der Bühne ab. Was war für euch bisher der geilste Livemoment?

Jedes Konzert/Auftritt hat etwas Besonderes und Einmaliges - aber die Teilnahme beim German Kultrock Festival 2024 in der Balver Höhle vor mehr als 1000 Besuchern, das Eröffnungskonzert im gleichen Jahr beim größten deutschen Hippie Open Air dem Burg Herzberg Festival, sowie Support Shows für Radio Moscow & Seedy Jeezus ( 2 Bands deren Stil wir auch lieben) kann man schon als bisherige Bandhighlights benennen.



Eure letzte Veröffentlichung Sun Voyage ist 2022 erschienen, wann können wir mit Nachschub rechnen?

Momentan haben wir schon einige, und wie wir finden tolle, Songs in der Mache die schon fast fertig sind. Wichtig für uns, es soll ja etwas Neues und Anderes sein… nicht genauso klingen wie der Vorgänger SUN VOYAGE aber immer nach Zen Trip klingen. Demnächst steht natürlich auch eine Recordingsession an...wobei wir möglicherweise einen Song sozusagen als "Single" Auskopplung vorab veröffentlichen werden...

 



Ihr veröffentlicht ebenfalls über Clostridium und habt uns mit Wasteland ja auch damals ins Boot geholt. Woher kennst du den Andy?

Womit wir bei "Andy" unserem Labelchef von Clostridiumrecords angekommen wären... ja der erste Kontakt zu Andreas Krüger meinem nicht verwandten Namensbruder aus Bochum. Ganz einfach, der typische Facebook Kontakt....oh auch ein KRÜGER, beheimatet im gleichen Musikgenre...!!! Auf die beantwortete Freundschaftsanfrage folgte die richtige und herzliche Realfreundschaft. Andy ist menschlich und fachlich ein Top Typ der unsere gemeinsame Szene absolut bereichert… vorallem wenn man bedenkt wie einfach und unkompliziert der Deal mit Ihm zu Stande kam. 

Nach einem Besuch eines unserer Konzerte fragte er uns „Bock auf Vinyl bei meinem Label ???“ - Natürlich, hahaha, welch herrliche Konversation, und das in unserer Zeit !!! 

 

Du wirst im Pott ganz gerne schmeichelhaft als der Fuzzpapst bezeichnet. Gib uns einen Einblick wie du deinen unverkennbaren fuzzout Sound hinbekommst.

Der FUZZ Papst,...hahaha ja cooler Nickname!!!

Na dann gibt es jetzt den Holy Smoke zum Soundgeheimnis!!!

Gitarren :

Fender Stratocaster (gespielt nur mit Hals PU (Texas Specials)

Pedale :

Dr. No Vintage Fuzz (kommt aus Holland, nicht mehr erhältlich) Preset -- wenig Zerre, dafür viel Volumen

Clean Booster (Spark ) Preset — 0 Zerre , Volumen voll auf

Line 6 Modeler ( Digipedal) Presets --- Univibe, Leslie, Chorus, Tremolo

Earth Quaker Devices (Ghost Echo) Preset --- Spring Reverb

EHX Cathedral - (Hall / Delay ) --- Spring, Plate, Space Echo

Dunlop Hendrix Wah / Vox Wah

Amps/Cabs

Marshall JTM 45 + 4x12 Marshall Cab Ceslestion Speaker

Zen AMP - made bei Sandor Szabo , Einkanaler 30 Watt + Fender Cab 2x12


Abschließend die nächsten Zen Trip SHOWS

29.7. ---- wir haben jetzt schon zum 2.mal die Ehre das Burg Herzberg Festival auf der Bühne des Höllenschuppen mit einer fantastischen Spielzeit von 90 Min. zu eröffnen.

8.8. German Kultrock Fantreffen Balve u.a. mit The Spacelords

 


Neben deiner Berufung als Fuzzpapst bringst du, zusammen mit deinen Mitstreitern, immer wieder den Backyard Club in die Kanäle der hiesigen Stonerszene. Was ist die Idee hinter dem Club?

Kommen wir zum Backyard Club, meiner 2. musikalischen Heimat und meinem Betätigungsfeld als Bandkontakt Person. Vor 4 Jahren als e.V. gegründet habe ich dort die Aufgabe des Booking übernommen.

 

Obwohl der Backyard Club ein sehr kleiner, wohnzimmerähnlicher Club ist, schafft ihr es immer wieder richtige Bomben wie zum Beispiel High Desert Queen, Seedy jeezus und the great Machine zu euch zu lotsen. Wie kommen da die Kontakte zu stande und was ist das für ein Gefühl eine Band in euer Wohnzimmer zu holen, die vielleicht ein paar Tage davor noch auf dem Freak Valley vor 5000 Menschen gespielt hat?

Seit dem Gründungsjahr haben wir alle versucht das Niveau des BC ständig zu verbessern, sei es ein ansprechender Thekenausbau, eine professionelle Sound -und Lichtanlage sowie ein kompetentes Service und Technikerteam. Jegliches Engagement beruht dort auf ehrenamtlicher Basis, ohne die der momentane Erfolg absolut nicht machbar wäre. Einnahmen werden sofort wieder in Verbesserungen investiert.

Überaus wichtig auch die Darstellung und Verwaltung der Social Media Portale durch den 1. Vorsitzenden Dietmar Lorenz der auch eine perfekte Ablauforga, Presseberichte und vieles mehr aufgrund jahrelanger Erfahrung eingebracht hat.

Nach den ersten erfolgreichen Veranstaltungen mit lokalen Bands erfolgte die erste Anfrage von MASHENNA einer norwegischen Stonerband. Irgendwie sind sie wohl auf die Adresse des Backyard Clubs gestoßen...was für ein Abend...ein grandioses Konzert! Von da an erreichten uns Anfragen von Seedy Jeezus (Australien), High Desert Queen, Radio Moscow ( beide USA ),...Líra del Baccano ( Italien) Siena Root und Deville (Schweden) Skyjoggers (Finnland ) um nur einige zu nenen, sowie aus deutschen Landen Bandgrößen wie Wedge, Fuzz Sagrado, Bands mit Legenden Status wie Epitaph, die Liste ist echt lang. 

Natürlich bleibt auch weiterhin die Förderung von kleineren, unbekannteren Bands unterschiedlicher Musikrichtung ein Kernthema des Clubs.

Während die größeren Clubs und Veranstalter regelmäßig über Probleme bei der Livemusik sprechen, hat man bei euch das Gefühl, dass die Welt noch in Ordnung ist. Wie siehst du das?

Wie schon mal geschrieben all das was der Backyard Club zu bieten hat basiert auf der ehrenamtlichen Tätigkeit des gesamten Teams! Sehr gute Bühnentechnik, ein gerechter und lohnenswerter Doordeal für die Bands, ein vernünftiges und ansprechendes Catering sowie eine absolute und freundliche Willkommenskultur.



Wie siehst du die Zukunft des Clubs und in wie weit seid ihr jetzt schon verplant mit Gigs? Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr euch vor Anfragen kaum retten könnt.

Kommen wir nochmals kurz zu mir in der Tätigkeit des Bookings und der Anfragen… ich habe nun beide Seiten kennengelernt, die des Musikers und des Veranstalters.

Es ist fast unmöglich ALLE Anfragen persönlich zu beantworten....dann würde ich nichts anderes mehr tun… mit der Bitte um Verständnis.

 

Wie erreicht man euch im Club am einfachsten für eine Anfrage?

Für Bands gilt weiterhin die Möglichkeit der Anfrage über booking@backyard-club.de

 

Gibt es eine Möglichkeit wie Interessierte euch zum Beispiel eine Spende direkt unterstützen können?

Wer möglicherweise ein paar Euros als Spende übrig hat, auf der www.backyard-club.de gibt es einen entsprechenden Button. Vielleicht hat sogar der ein oder andere Lust dem Verein beizutreten, um zu helfen das ein oder andere Konzert mehr oder mit zu veranstalten...???


....ja das war es erst mal, Danke fürs lesen bis hier hin !!!

LOVE, PEACE & LOUD GUITARS 

Bernd Krüger


 Checkt auf jeden Fall noch Bernds Band Zen Trip, Clostridiumrecords und den Backyard Club aus! Da verpasst ihr nichts! 

www.zentrip.de
www.clostridiumrecords.com
www.backyard-club.de 

 

Und mit Bernds tollem Schlusswort danke ich auch meinen fleißigen Lesern. Vielen Dank an Bernd für das tolle Interview und die Einblicke hinter Zen Trip, dem Backyard Club und dem Gefühl, dass man mit Echtheit, Verbundenheit und Hingabe viel mehr erreichen kann, als man sich vorstellt. Heutzutage ist es als Band schwer genug, sich im großen Social Media Moloch Gehör zu verschaffen. Also bleibt true, habt Spaß und lebt die Musik. 

Dienstag, 21. Juli 2026

Sonderfolge: Das Swampland Festival in Hannover

 Liebe Freunde! Diese Woche gibt es mal eine Sonderausgabe zusätzlich zur Story am Mittwoch. Der Grund ist relativ simpel; ich hatte die große Ehre mit meiner Band Wasteland Haze auf dem Swampland Festival in Hannover zu spielen! Und um die Spanne zwischen meinem kleinen Nachbericht, inklusive Interview mit den beiden Organisatoren zu der eigentlichen Veranstaltung nicht noch größer werden zu lassen, gibt es diese Woche halt etwas mehr zu lesen. HURRA!

Das Swampland ist ein jährlich stattfindendes Ein-Tages-Festival, welches auf dem PlatzProjekt in Hannover veranstaltet wird. Schwerpunkt des Ganzen ist ein sauber kuratierter Mix aus Stoner, Doom und verschiedenen Abarten des Psychedelics. In familiärer Atmosphäre spielten dieses Jahr 5 Bands, beginnend ab 16 Uhr bis spät in die Nacht und nahmen den Zuhörer dabei mit auf eine abwechslungsreiche Reise. Bereits beim Opener war die Fläche gut gefüllt und das Dreigespann Polly aus Berlin wusste hier vom ersten Track an voll von sich zu überzeugen. In frisch interpretierter, aber dennoch vertrauter, Sabbath-Manier legte das junge Trio furios los und legte damit den Grundstein für eine gelungene Veranstaltung. Als nächstes waren wir schon dran und legten einen ordentlichen Auftritt auf die Bühne, den ich hier aber garnicht weiter kommentieren möchte, dass sollen andere machen ;) Dritte Band im Bunde war Fuzziebär aus Hannover und die legten hier direkt mal einen Gang zu. Während es bei Polly und uns bedeutend schleppender und doomiger zu Werke ging, spielte das Trio Vollgas Stonerpunk und konnte damit die immer weiter wachsende Menschenmenge förmlich in ihren Bann ziehen. Es wurde sogar ein kleiner Pogo auf der Tanzfläche des Swamplands gesehen. Ein gekonnter Mix, irgendwo zwischen alten Stonerklassikern, bekanntem Punkgeballer und den Ärzten (?!) pflügte durch das Platzprojekt. Als vierte und damit vorletzte Band zeigte Der Neue Planet aus Köln ihr musikalisches Finesse. Die einzige Formation des Abends die kein Power-Trio war, bestach durch ein völlig unvorhersehbares Maß an Abwechslung. Von dünigem Stonerrock, zu jazzigen Gitarrenliebeleien, über spacige Ausritte hinauf zu knackigem Bluesrock präsentierten sich die Vertreter aus unserer "ungeliebten" Lieblingsnachbarstadt in Top Form und spielten sich regelrecht in Extase. Mit zunehmender Dämmerung kam auch der SpaceRock typische Ansatz der Band immer mehr zu Geltung und geleitete die jubelnde Menschenmenge auf einen wilden Ritt durch die verschiedenen Himmelskörper, die langsam über uns erkennbar wurden. Als letzte Band des Abends spielte ein uns bereits bekanntes Trio aus dem Herzen des Ruhrgebietes. Aeon Temple fegten mit ihrem neuen Album furios über die Außenbühne des bereits von verschiedenen Lampen und Kunstformen erhellten PlatzProjekts. Unter lautem Beifall brachte die Band ein Pfund StonerRock in die Gehörgänge der teils weit angereisten Stonerfans. Ein gelungener Abschluss eines wirklich tollen und liebevoll organisierten Festivals. Der Rest der Nacht dünstet wie so oft in Bier und Gespräche mit neuen und altbekannten Gesichern. 



Im Weiteren gibt es noch ein Interview mit Max, der stellvertretend für das Orga-Team rund um das Swamplands meinen Fragen Rede und Antwort stand, viel Spaß.


Stell dich und euer Projekt doch einmal bitte kurz vor. Seit wann gibt es das Swampland und wie entstand die Idee des Festivals?

Ich bin vor etwa 9 Jahren von München und Saarbrücken nach Hannover gekommen und war überrascht, dass es neben vereinzelten Clubkonzerten keine regelmäßigen Veranstaltungen für Stoner-Rock, Heavy-Psych und verwandte Musik gab. Außerdem war die Musikszene kaum vernetzt. Ich wollte deshalb eine Plattform bieten, auf der sich Bands aus der Region präsentieren und kennenlernen können. So ist die Idee des Swamplands entstanden.

Ich hatte davor bereits unangemeldete Konzerte in Saarbrücken und Hannover veranstaltet, mit einem Benzingenerator. Mit dem Osco auf dem Platzprojekt gab es jetzt die Möglichkeit eine sichere und größere Open Air Veranstaltung aufzuziehen. 2024 fand das erste Swampland statt, seitdem sind jedes Jahr mehr Gäste gekommen und es spielten immer weniger lokale, sondern überregionale Bands, beim letzten Mal aus NRW und Berlin.

In den ersten zwei Jahren wollten wir außerdem eine Möglichkeit schaffen, mit den eigenen Bands vor interessiertem Publikum zu spielen. Für mich war das die Band „Lillim“. Dies ist 2026 aber in den Hintergrund gerückt.



Was mich persönlich sehr gefreut hat und uns allen sehr aufgefallen ist, war der freundliche und familiäre Empfang und Umgang der Swampland Crew. Gerade wenn man sich klar macht, wie stressig das für euch in den letzten Stunden vor dem opening gewesen sein muss. Teile des Teams kamen sogar von sehr weit weg extra zur Unterstützung angereist. Woher kennt ihr euch und wie setzt sich die Swampland Familie zusammen?

In den ersten zwei Jahren habe ich das Swampland mit Lena organisiert, eine Freundin, die in den Bands Dense Objects und Infinite Eyes spielt. Ihr Fokus hat sich im letzten Jahr auf andere Dinge verschoben, deshalb hat Lennart ihren Part übernommen. Lennart kenne ich vom Swampland 25. Damals ist er mit der Band FRIDA aus Hannover aufgetreten.

Da ich in den letzten Jahren viel unterwegs war, ist ein großer Teil meines Bekanntenkreises nicht aus Hannover, sondern in der BRD verteilt. Einige sind auch Stoner Fans, so ist die Crew eine Mischung aus Leuten, die in Hannover aber auch in ganz Deutschland verteilt leben (z. B. Bonn, Mainz, Kassel).




Bei euch waren nur Underground-Bands zu Gast, ohne einen großen Headliner und man merkt da direkt einen Gegenentwurf zu den bekannten Festivals die auch dieses Wochenende stattgefunden haben. Ist das der Weg den ihr auch für die Zukunft plant?

Wie oben beschrieben, war das Swampland ja erst eine Möglichkeit, selbst zu spielen und sich mit der Szene in Hannover zu vernetzen. So sind der Charakter des Festivals und die Bandauswahl entstanden.

Ich persönlich denke aber auch, dass es enorm viele starke mittelgroße Bands gibt, die gegenüber den bekannten Acts, oftmals aus den USA, zu kurz kommen. Wie wir in Zukunft booken werden, ist aber noch nicht entschieden, das besprechen wir gemeinsam von Jahr zu Jahr.


Trotzdem war eine Menge los. Wieviele Leute waren da?

Wir müssen nochmal genau kalkulieren, es waren aber ca. 140 Leute.


Die Bands waren durchweg gut durchmischt und es gab wahrscheinlich für jeden den passenden act. Wie setzt ihr euer Lineup zusammen?

Wir legen freilich den Fokus auf Heavy-Psych und Stoner-Rock. Grundsätzlich freuen wir uns aber, wenn benachbarte Stile ebenfalls vertreten sind, etwa Post-Rock, Post-Metal, Progressive-Rock, Doom usw. Im Jahr 2026 war die Auswahl sehr am Stoner-Rock orientiert, das fanden wir aber auch sehr schön! Wir überlegen uns schon, was das Publikum interessiert, letztlich entscheidet aber unser eigener Geschmack. Wir laden nur Bands ein, die wir selber auch gerne hören würden und am Ende soll der Tag auch musikalisch abwechslungsreich sein.

Wir versuchen zudem darauf zu achten, dass nicht nur Männer auf der Bühne stehen, was gar nicht so einfach ist. Auf der Bandseite gibt es einfach (noch?) relativ wenig Frauen.



Es war ein extrem gemischtes Publikum vom Stonernerd, über den Doomer hin zu ganz normalen Leuten die ihren Weg zu euch gefunden haben. Vielleicht bietet euer Festival ja einen guten Zugang zum heavy underground. Wie siehst du das?

Ja, das hoffen wir! Es wäre schön, wenn das Swampland als einzige feste Heavy-Psych-Veranstaltung in der Region nicht nur ein Ort für Fans ist, sondern auch neue Leute zur Musik bringt.


Erkläre mir das Platzprojekt und das Osco. Wie sind da die Wurzeln und euer Bezug dazu?

Das Platzprojekt ging aus der unangemeldeten Nutzung einer brachliegenden Fläche hervor. Mit Fördermitteln des Bundes zur Stadtentwicklung ist es schließlich zu seiner heutigen Form gewachsen. Es beheimatet etwa 33 Projekte, z. B. ein Kicker-Club, einen Craft-Bierbrauer, einen Massagecontainer und viele mehr. Der Osco Open Space bietet einen professionellen Spielort, an dem man selbst für eine Aufwandsentschädigung Konzerte und Partys veranstalten kann, mit fantastischer Akustik und Technik. Das ist für uns ein großes Glück und erleichtert ungemein die Organisation.

Privat sind wir selbst regelmäßig auf dem Platz, etwa zum Flohmarkt, auf einem Konzert oder um ein Bier zu trinken.




Eine wirklich tolle,.einmalige Location. Gab es mal die Idee einer Verlegung oder was wären die alternativen in Hannover?

Da das Osco so viele Vorteile bietet, ist eine Verlegung erstmal nicht geplant. Aber wer weiß, was die kommenden Jahre bieten? Grundsätzlich stand immer mal wieder im Raum, ein 2-Tagesfestival zu organisieren, dazu bräuchte man einen anderen Ort. Aber das wäre eine ganz andere Herausforderung und mit unserem aktuellen Orga-Duo nicht zu schaffen.



Für wann ist das nächste Swampland geplant, wie können die Leute euch unterstützen und wie kontaktieren euch Bands, die sich einen Slot bei euch vorstellen könnten.

Ein Swampland 27 ist nicht sicher, aber wahrscheinlich. Auf der einen Seite macht die Orga erstaunlich viel Arbeit, das ganz Jahr über. Lennart und ich übernehmen das unentgeltlich, wie auch alle, die uns beim Getränkeverkauf beim Einlass usw. unterstützen. Auf der anderen Seite haben wir den Eindruck, dass es gut angenommen wird und wir an einem sinnvollen Projekt arbeiten, das hoffentlich die Musikszene fördert und weiterbringt.

Bewerbungen und Fragen könnt Ihr uns via swampland_groove@outlook.com senden.

 

Danke an alle die da waren, uns unterstützt oder gespielt haben und an Christian für das Interview!

Lennart und Max


Vielen Dank, dass ihr wieder Teil dieser Episode wart. Das Swampland zeigt wie man mit Leidenschaft, Elan und Pioniergeist eine wunderbare und zukunftsträchtige Idee in die Tat umsetzt. Einfach vielen lieben Dank an das ganze Team des Swamplands, es war ein fantastischer und herzlicher Abend bei euch. Das PlatzProjekt ist ein fantastischer Ort und wie gemacht für Festivals dieser Art! Es dürstet nach Wiederholung.

Freitag, 17. Juli 2026

Tapeworm: The List Playlist Update

 Mit einem spannenden Wochenendangebot meldet sich die Tapeworm Playlist zurück. Erneut gibt es 5 frische Gesichter auf der Spotifyliste, rund um den deutschsprachigen Stoner, Doom, Sludge und Psychedelic Underground und mit direkt 2 dicken Festivals habt ihr die Chance einige dieser Bands bereits dieses Wochenende in voller Blüte zu erleben.


HIER GEHT ES DIREKT ZUR PLAYLIST




Zahn - Pavian: Mit den Berlinern steht ein absoluter Hochkaräter diese Woche auf der Bühne des Freakquenzy Records Roundup in Debbe. Im the Barn zocken neben dem Postrock Trio noch Astral Kompakt, Convoy, Eins Eins Eins und andere Vertreter aus dem Heavy Underground. Absolute Empfehlung um sich gemütlich über 2 Tage die Birne hohl zu ballern. Mit Pavian legten die Jungs 2021 einen absoluten Knaller aufs Parkett, den wir hier nochmal gemeinsam aufsaugen wollen.





Brandmann - SUV: Einen weiteren Slot beim Freakquenzy Roundup haben sich Brandmann mit ihrem Donnerrock gesichert. Und damit sichert sich das Bielefelder Duo mit ihrem Song SUV direkt noch einen Platz auf dieser Liste.


Hauch - Komm nach Hause: Eine gewaltige Mischung aus Stoner/Desertrock, gepaart mit deutschen Texten bringt Hauch aus Waltrop mit auf die Liste. Endlich hat sich die Band in neuer Formation wieder komplettiert und steuert wieder mit Vollgas auf neue Abenteuer zu. In der Originalbesetzung feierte die Band 2023 mit Lehmasche ihre Debüt-EP bei Clostridium und mit Komm nach Hause feiern wir die Jungs direkt auf der Tapeworm Playlist.


Orbitron - Telesto: Am Samstag findet mit dem Up in Space Festival die nächste Ausgabe des DIY Indoor Festivals in Münster statt. Mit dabei in dieser Ausgabe sind neben Structure Moderne aus Paris, Peach Melba, Kojote und Room 3327 noch die instrumentalen SpaceRocker von Orbitron. Mit Cassini feierte das Gespann vor einigen Jahren ihr Debüt und machen seitdem Festivals und Konzerthallen unsicher. Darauf enthalten ihr smoother Superhit Telesto.





Scorched Oak - Delusion: Das Dortmunder Power Trio gibt es am Freitag live im B-Side in Münster gemeinsam mit Aeon Temple aus Essen. Das hört sich nach einem galaktischen Wochenende an. Das wird ne fette, fette Nummer; Freitag schön ins B-Side und am Samstag dann ins Bennohaus zum Up in Space. Scorched Oak gibt es auf jeden Fall schonmal als Vorgeschmack mit Delusion als letzten Neuzugang auf der Liste! BRETT!




Mittwoch, 15. Juli 2026

Blogworm #3: Stoner Totem Magazine

 Mittwochs, Ausgabe Nummer 3 des Blogworms! Wer hätte das gedacht ;) Es macht mir gerade wahnsinnig viel Spaß hier ein bisschen Content zu produzieren, vorallem da eure Unterstützung einfach unglaublich und viel größer ist, als ich es mir am Anfang gedacht habe. Tausend Dank dafür! Und jetzt herzlich willkommen beim Blog zum deutschen Heavyunderground, mitsamt Peripherie. 
 
Bei unserer dieswöchigen Story haben wir den Götz vom Stoner Totem Magazin, einer noch relativ frischen Plattform auf Instagram welche mit Reviews und Promotions in einem ungewöhnlichen Stil auf sich aufmerksam macht. Mit Hilfe von KI werkelt Stoner Totem meist kleine Videos zusammen, bei denen ein Avatar mit einer Sugar Skull Maske durch das Thema führt. Seine Unterstützung gehört hier vorwiegend der deutschsprachigen Szene und ich habe mir Götz als Storypartner gesucht, da mich brennend seine Meinung zu KI Inhalten interessiert.
 
 
 
 
Götz, stell dich doch einmal bitte selber nochmal vor und erzähl uns, wie es zu der Idee des Stoner Totems Magazins kam. Als Erstes vielen Dank, dass ich die unglaubliche Chance bekomme, mich hier vorzustellen. Ich bin 54 Jahre alt und seit 41 Jahren ein absoluter Music Junkie. Die Idee von Stoner Totem schlummerte eigentlich schon recht lange in meinem Kopf, nur fehlte mir die Zeit. Ich habe über Jahre hinweg unzählige Album-Reviews auf YouTube geschaut. Irgendwann fiel mir auf, dass viele nach demselben Muster funktionieren: Man sieht jemanden vor der Kamera sitzen, der erzählt, wie großartig das neue Album einer ohnehin etablierten Band ist. Aber sind das wirklich die Bands, die unsere Szene am Leben halten? Passiert dort wirklich Spannendes oder sind es die Underground-Bands, die abseits des Mainstreams der Szene immer wieder frische und neue Impulse einbringen? Natürlich haben die großen Namen ihre Berechtigung. Aber lebt unsere Szene nicht vor allem von den kleinen Bands, die mit Leidenschaft neue Musik veröffentlichen, obwohl sie kaum Aufmerksamkeit bekommen? Genau diesen Bands wollte ich eine Plattform geben. Mit diesem Ansatz habe ich vor gut einem Jahr Stoner Totem ins Leben gerufen. Ich möchte nicht wie ein Marktschreier das neue Superalbum der Superband XY anpreisen, sondern auf den wirklich vielschichtigen Underground aufmerksam machen und den Bands gleichzeitig einen Mehrwert bieten, indem ich ihre Musik mit meinen eigenen Bildern, Ideen und kleinen Geschichten verbinde. Daraus entstehen kurze visuelle Reviews, die vielleicht den einen oder anderen Stoner-Fan neugierig machen. Ich entwickle Stoner Totem ständig weiter und freue mich über jeden Kommentar, jedes Feedback und natürlich über jede Band, die sich in meinen Beiträgen wiederfindet. Wenn ich es schaffe, dass dadurch auch nur ein paar Menschen eine neue Lieblingsband entdecken, dann hat Stoner Totem seinen Zweck erfüllt. Wie kamst du zum Heavy Underground und wie hat dich dieser über die Jahre begleitet? Angefangen hat es bei mir als Bengel mit den alten Beatles-Platten. Mit zwölf Jahren habe ich mir von meiner Schwester eine MC gemopst und von da an war es um mich geschehen – ich war vom harten Rock angefixt. Mein Einstieg war recht klassisch: Deep Purple, Black Sabbath, Uriah Heep etc. Ab 1986 kam dann die härtere Metal-Schiene mit Anthrax, Metallica, Slayer sowie einigen europäischen Thrash-Metal-Bands und Hardcore-Bands wie Agnostic Front oder den Cro-Mags dazu. Wie viele in meinem Alter hat mich Anfang der 90er auch der Grunge voll mitgenommen. Besonders geil fand ich Soundgarden und Alice in Chains, und ich liebe beide Bands noch heute. Zur selben Zeit entdeckte ich außerdem die großartigen Trouble für mich. Und so nahm das Ganze bei mir seinen Lauf. Hast du selber mal Musik gemacht oder in einer Band gespielt? Bei den meisten, die sich in dieser kleinen Nische hier rumtreiben, ist das ja der Fall. Es war immer mein absoluter Traum, ein richtiger Musiker zu werden. Aber die Realität war ziemlich hart zu mir und so flog ich als 17-Jähriger aufgrund absoluter Talentlosigkeit aus einer Punkband ... das muss man mir erst einmal nachmachen! Der Weg über KI-Videos zu gehen ist natürlich kein unumstrittener und, wie man immer wieder hört, in der Stoner-Szene eher unbeliebt. Allerdings hast du einen sehr eigenen Stil entwickelt, der einen echten Wiedererkennungswert und Mehrwert besitzt. Deine Videos sind zwar KI-generiert, aber in keinster Weise sloppy oder Ähnliches und man merkt, dass du dich wirklich mit den Themen auseinandersetzt und viel Wert auf den Kerninhalt legst. Wie stehst du zu dem Thema und wie kam es dazu, diesen sehr eigenwilligen Weg zu gehen? KI ist einer der Hauptbestandteile meiner Videos – neben realen Videoaufnahmen, Bandfotos oder selbst aufgenommenen Livesequenzen von Konzerten. Ich benutze sie nicht, damit sie für mich kreativ wird, sondern als nützliches Tool, um meine Ideen visuell attraktiver umzusetzen. Wenn ich Musik höre und mir Texte oder die dahinterstehenden Konzepte durchlese, sehe ich die Musik vor mir. Das hört sich vielleicht komplett blöd an, aber beim Hören von Musik, die mir gefällt, läuft bei mir im Kopf gleichzeitig ein Film ab. Das ist dann quasi mein Drehbuch. Ich kreiere zum Beispiel einen Protagonisten, den ich anschließend mithilfe von KI in eine Geschichte einbinde. Oft wird KI meiner Meinung nach aber falsch eingesetzt und dafür genutzt, die eigene Kreativität zu ersetzen. Es werden generische Prompts, zum Beispiel mithilfe von ChatGPT, erstellt, ohne eigene Ideen mit einfließen zu lassen. Das sieht man den meisten Endergebnissen dann auch an. Ich hoffe, dass ich inzwischen meinen Weg gefunden habe, meine Ideen mit Unterstützung von KI umzusetzen. Und genau da kann man wunderbar die Brücke zur Stoner-Szene schlagen. Sie steht für handgemachte Musik und Authentizität. Solange die Musik und die Ideen ehrlich sind und KI lediglich als Werkzeug dient, sie visuell umzusetzen, sehe ich daran überhaupt nichts Verwerfliches. Was für mich persönlich nicht funktioniert, ist, wenn KI musikalisch eingesetzt wird und dem Fan als handgemacht verkauft werden soll.
 
 
Welche Tools benutzt du, um deine Videos zu generieren, und wie lange braucht eine durchschnittliche Review für dich – von der Idee bis zur letztendlichen Veröffentlichung? Zum Verständnis: Ich kann mir gut vorstellen, dass die Videos in deinem Stil aus mehr bestehen, als nur ein paar Wörter in ein Textfeld einzutragen und dann kommt der neueste Stoner Totem dabei heraus. Mein absolut wichtigstes Tool ist der Editor, in dem ich mir am Anfang ein Skript zur Musik und zu meinen Bildern erstelle. Für die Gestaltung der Hauptelemente der Story nutze ich parallel ChatGPT, Copilot, Gemini und Grok und modifiziere deren Ergebnisse anschließend. Ich nutze so viele KI-Tools, da sie – je nach zu erstellendem Protagonisten, Motiv oder Aufgabenstellung – unterschiedliche Ergebnisse liefern. Deshalb kombiniere ich mehrere Werkzeuge, um am Ende genau das Ergebnis zu erhalten, das ich anschließend so modifizieren kann, wie ich es im Kopf habe. Anschließend schreibe ich für jede einzelne Szene die entsprechenden Prompts im Editor auf. Zum Erstellen der einzelnen Szenen verwende ich zum Beispiel die Bezahlversionen von Hailuo und/oder Pippit. Mit Clipchamp füge ich dann Live-Videosequenzen, reale Videos, meine erstellten KI-Szenen etc. zu einer Rohfassung zusammen. Da CapCut über viele geniale zusätzliche Funktionen verfügt, bearbeite ich die Endfassung anschließend mit dessen Hilfe. Das ist vielleicht strange, aber je länger ich Stoner Totem betreibe, desto mehr Zeit brauche ich für jede einzelne Review. Als meine Vision von Stoner Totem noch nicht so ausgereift war, habe ich zwei bis vier Reviews pro Woche herausgezimmert. Inzwischen brauche ich jedoch mindestens drei bis fünf Tage für eine einzige Review. Als Vorlaufzeit nehme ich mir mindestens eine Woche, um mich intensiv mit der Musik auseinanderzusetzen, bevor ich mit der eigentlichen Planung beginne. Allein für eine fünfminütige Review entstehen oft viele einzelne Szenen, die ich mehrfach anpasse und anschließend zusammenschneiden muss. Deshalb dauert eine Review heute deutlich länger als noch vor sechs Monaten. Mir ist wichtig, dass der Zuschauer die Musik nicht nur hört, sondern sie durch meine Bilder auch erleben kann. Deshalb investiere ich bewusst viel Zeit in jede einzelne Review.
 

  Ich finde die Idee, die du umsetzt, ja selber gut, weil du so gerade kleinen Bands etwas bietest, was sonst kaum realisierbar ist. Du machst kleine animierte Videos für Bands und setzt so deine Ideen in Bild und Ton um. Allerdings ist das natürlich ein durchaus kontroverses Thema. Hattest du mal Kontakt mit einer Band, die das gar nicht von ihrem Content haben wollte? Gab es sonst aus der Community mal Kommentare oder gar Anfeindungen wegen deiner Arbeit? Bevor ich überhaupt eine Review plane, schreibe ich alle Bands an, erkläre kurz, was ich mache und mit welchen Tools ich meine Videos erstelle. Außerdem frage ich ausdrücklich nach, ob ich Bandfotos, Cover-Artwork und Songschnipsel verwenden darf. Bisher habe ich ausschließlich positives Feedback erhalten und alle Bands haben sich meiner Art, Content zu erstellen, gegenüber sehr offen gezeigt. Inzwischen passiert es sogar regelmäßig, dass Bands mich anschreiben und fragen, ob ich Lust hätte, eine Review zu ihrem neuen Output zu machen. Ehrlich gesagt hatte ich am Anfang eher erwartet, dass meine Art der Content-Erstellung kritischer gesehen wird – gerade weil KI für viele ein sensibles Thema ist. Umso cooler finde ich es, dass ich mit dieser Vermutung komplett danebenlag. Einen einzigen wirklich negativen Kommentar gab es bisher. Der richtete sich allerdings gar nicht gegen meine Arbeit, sondern gegen die Band, die ich vorgestellt hatte. Der Vorwurf war, dass man sie nicht unterstützen sollte, weil sie KI für ihr Bandlogo und das Cover-Artwork verwendet hatte. Der Kommentator brachte die wildesten Argumente vor, warum eine Band grundsätzlich keine KI nutzen sollte. Die Band hat darauf sachlich geantwortet, aber derjenige wollte immer weiter provozieren. Irgendwann war für mich der Punkt erreicht, an dem ich die Diskussion beendet habe. Kritik ist völlig in Ordnung – aber wenn eine Diskussion nur noch darauf abzielt, Streit zu provozieren, bringt sie niemandem etwas. Um das Thema noch einmal rund zu bekommen: Wie stehst du zur alltäglichen Nutzung von KI in der Arbeitswelt oder in der Kunst? Vor allem, wenn man in Richtung Uncanny Valley, KI-Slop oder Fake-Videos schaut, kann einem ja schon Angst und Bange werden. Genauso ist die Entwicklung KI-generierter Musik natürlich ein schwieriges Thema, vor allem vor dem Hintergrund, wie viele Klicks damit generiert werden. Aufgrund meines Jobs bin ich auf die Nutzung einzelner KI-Funktionen angewiesen und habe dadurch bereits Erfahrungen gesammelt, wie man Prompts effizient schreibt, damit das Ergebnis den eigenen Vorstellungen entspricht. Als Unterstützung ist KI für mich sinnvoll. Sobald sie jedoch als Ersatz für Menschen eingesetzt wird, halte ich das für unglaublich kritisch und nicht zielführend. Ich bin der Meinung, dass KI nicht in der Lage ist, die Aufgaben von Fachpersonal vollständig zu ersetzen. Ich möchte den künstlerischen Bereich einfach einmal am Beispiel einer kleinen, stadtbekannten Stoner-Rock-Band darstellen. Die meisten Bandmitglieder arbeiten regulär, investieren ihren hart verdienten Lohn in Instrumente, eventuell in die Proberaummiete, Fahrtkosten zu kleineren Gigs und müssen nebenher noch Frau und Kinder am Atmen halten. Warum sollten sie nicht KI zur Gestaltung eines Cover-Artworks, eines Bandlogos oder vielleicht eines kleinen Lyric-Videos nutzen? Wenn es Underground-Bands gibt, die mit ihren Auftritten und Merch-Verkäufen noch den einen oder anderen Groschen zur Seite legen können, dann, Jungs … denkt nach. Ihr werdet von der Szene und den Fans unterstützt – gebt auch etwas zurück und lasst euch ein tolles Cover und/oder Video von einem Profi erstellen. Wichtig ist für mich: Wenn KI zum Einsatz kommt, dann sollte man auch dazu stehen und sie nicht als eigenes Werk an den Mann oder die Frau bringen! Mit Uncanny-Valley-Inhalten bringst du etwas auf den Punkt, was man mir auch vorwerfen könnte. Ich versuche – auch wenn es mir vielleicht nicht immer gelingt – eher Protagonisten einzusetzen, um eine atmosphärische oder surreale Geschichte zu erzählen. Das ist auch der Grund, warum ich in meinen Videos viel mit Filtern arbeite. Ich habe überhaupt kein Problem mit KI, solange sie den Menschen unterstützt und offen mit ihrem Einsatz umgegangen wird. Was mir allerdings wirklich Sorgen macht, sind Inhalte, die Menschen bewusst täuschen sollen. Egal ob Fake-Videos oder KI-generierte Inhalte, die als echt verkauft werden – genau hier wird für mich eine Grenze überschritten. KI sollte den Menschen helfen und nicht dazu missbraucht werden, ihnen zu schaden – weder körperlich noch finanziell oder emotional. Witzig dazu: Ich saß letztens noch mit meiner Frau in einem Café und einen Tisch weiter war ein Mann, etwas jünger als ich, der gerade ChatGPT versuchte, einen Hip-Hop-Song zu erklären – Musik, Hooks, Reimschemata –, während die KI ihn offenbar nicht zum gewünschten Ergebnis führte. Im Moment habe ich das Gefühl, wir bewegen uns auf einen Punkt zu, an dem die Gesellschaft den Einsatz künstlicher Intelligenz bis zu einem gewissen Grad toleriert, irgendwann aber eine Grenze ziehen wird. Wie siehst du das? Wie verändert das die Gesellschaft? Die Grenze ist für mich nicht die KI selbst, sondern ihr Missbrauch – sowohl im wirtschaftlichen als auch im gesellschaftlichen Sinne. Ich glaube, viele Unternehmen werden das Potenzial der KI bis zum Äußersten ausschöpfen, um ihre Marktposition weiter auszubauen. Das kann natürlich viele Vorteile mit sich bringen, aber eben auch die Kehrseite haben, dass Arbeitsplätze wegfallen. Callcenter sind dafür ein gutes Beispiel. Dort sorgt KI schon heute dafür, dass für einfache Standardanfragen immer weniger Mitarbeiter benötigt werden. Was mir aber fast noch mehr Sorgen macht, ist die gesellschaftliche Entwicklung. Ich habe das Gefühl, dass wir immer bequemer werden. KI nimmt uns vieles ab, was auf der einen Seite praktisch ist, auf der anderen Seite aber auch dazu verleitet, weniger selbst nachzudenken. Gerade im Bildungsbereich sehe ich darin eine große Gefahr. Wenn Schülerinnen und Schüler ihre Arbeiten nur noch von einer KI erstellen lassen, geht ein wichtiger Teil des Lernens und der eigenen Entwicklung verloren. Ich kann mir außerdem vorstellen, dass manche Menschen irgendwann eine stärkere Bindung zu einer KI aufbauen als zu echten Menschen und sich auf eine parasoziale Beziehung mit ihr einlassen. Auch das sehe ich kritisch. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir klare ethische Leitlinien brauchen – sowohl für Unternehmen als auch für die Gesellschaft. KI ist für mich nichts Schlechtes. Solange sie den Menschen unterstützt und verantwortungsvoll eingesetzt wird, sehe ich in ihr eine echte Bereicherung. 
 
 

 
Mittlerweile zeigst du dein Gesicht auch ab und an auf deinem Kanal oder teilst persönliche Inhalte aus deinem Leben. Dadurch bekommt der Fan deines Kanals natürlich noch einmal eine andere Bindung. Könntest du dir vorstellen, den Sugar Skull irgendwann mal komplett abzulegen und selber vor der Kamera als Main Act zu stehen? Gut beobachtet … Tatsächlich hatte ich von Anfang an vor, ein kleines Mysterium um den Sugar Skull Guy aufzubauen und mich dann irgendwann meiner Community zu revealen. Dazu kam es dann aber schneller, als ich gedacht habe, denn mir ist es wichtig, eine Connection zu den einzelnen Followern und den Bands aufzubauen. So wurde aus dem Mysterium plötzlich ein cooles Trademark in meinen Videos. Diesbezüglich war Anfang des Jahres ein besonders cooler Moment, als ich bei der Clostridium Pub Night vor dem Merch-Stand stand und du direkt auf mich zugekommen bist und mich mit den Worten: „Du bist doch der Typ vom Stoner Totem!“ begrüßt hast. Das hat mich darin bestärkt, dass es genau die richtige Entscheidung war. Tatsächlich würde ich es auf Instagram aber gerne weiterhin so beibehalten, dass der Sugar Skull Guy durch die Videos führt und ich mich immer mal wieder als Mensch präsentiere. Ich möchte zwar nicht zu viel anteasern, aber es ist gut möglich, dass ich parallel zu Stoner Totem etwas plane, bei dem Götz der Main Act ist. Was war dein persönliches Highlight im Stoner-Kosmos bisher in diesem Jahr und gibt es etwas, worauf du dich dieses Jahr noch besonders freust? Ohne jemandem Honig um den Bart schmieren zu wollen, war eure Releaseparty zu „Lonestar“ für mich ein absolutes Highlight, das ich so nicht erwartet habe. Ich hatte zwar schon gedacht, dass es bestimmt ein geiler Abend wird, aber von der Organisation, dem Ablauf und der Versorgung war alles einfach super liebevoll durchdacht. Es gab leckeres Bier, leckeres Essen, einen geilen Ablaufplan der Bands, keine langen Umbaupausen … es war ein unglaublich unterhaltsames Mini-Festival mit vier sehr geilen Bands! Die nächsten Events, denen ich entgegenfiebere, sind definitiv euer Gig zusammen mit den supernetten SPACE CRUISER und TFNRSH, die ich unglaublich gerne höre und dann endlich mal live erleben kann. Direkt danach folgt im November DAILY THOMSON im Pitcher. Grundsätzlich zieht es mich eher in kleine Clubs als in große Hallen. Dort ist die Atmosphäre einfach intensiver, man ist näher an den Bands und erlebt die Musik viel direkter. Genau das macht für mich den Reiz der Stoner-Szene aus.
 

Neben deiner Tätigkeit als Blogger bist du öfter auf Konzerten anzutreffen. Was gibt dir die Szene und wie siehst du die Entwicklung der letzten Jahre? Ich bin seit Jahren fast ausschließlich auf Underground-Events unterwegs, weil dort der Stoner Rock für mich noch wirklich atmet – kreativ, roh und authentisch. Da geht es nicht nur um die Bands auf der Bühne, sondern um dieses gemeinsame Ding: einen geilen Abend zu haben, egal ob als Band oder als Publikum. Das kriegt man aber nur mit, wenn man bereit ist, über den Tellerrand zu schauen und sich auch mal abseits der etablierten und namhaften Bands bewegt. Klar, man kann sich ein paar bekannte Namen ins Regal stellen und dann sagen, die Szene stagniert. Oder man wuchtet sich aus dem Ohrensessel und geht in die kleinen Clubs – denn genau da passiert das Ganze noch wirklich. Da lebt der Stoner Rock – laut, ehrlich und unverstellt. Was mich allerdings ein bisschen ins Grübeln bringt: Ich habe persönlich das Gefühl, dass dem Underground zunehmend der Nachwuchs an Fans fehlt. Auf vielen Gigs fällt mir auf, dass das Publikum meist erst irgendwo bei Ü35 anfängt und dann bis Ü60 geht. Das macht mich schon nachdenklich, wie sich die Szene in den nächsten Jahren weiterentwickeln soll. Die talentierten Bands sind da – daran liegt es definitiv nicht. Das Problem ist eher, dass sie oft vor einem Stammpublikum spielen, aber ohne wirkliches Wachstum. Erschreckend fand ich letztes Jahr zum Beispiel die Gigs von internationalen Bands wie MISS LAVA (Vorprogramm: SAINT SERPENT), die vor vielleicht 15 Leuten gespielt haben, oder SONS OF ARRAKIS vor rund 30 zahlenden Nasen, die sich trotzdem den Hintern wund gespielt haben. Und genau da wird es dann auch ehrlich: Eine Szene lebt nicht davon, dass man sie in den sozialen Medien feiert oder über ihre Vergangenheit spricht, sondern davon, dass man selbst noch in den Club geht, sich die Alben und ein bisschen Merch mit nach Hause nimmt und mit Freunden darüber redet. Wenn das nicht passiert, dann braucht man sich irgendwann auch nicht wundern, wenn genau diese Clubs irgendwann leer bleiben. Gerade in der Livemusik ist ja einiges ins Wanken geraten, was die Anzahl der Besucher sowie die Kosten für Bands und Veranstalter angeht. Glaubst du, du kannst mit deinem Content etwas in die richtige Richtung bewegen und die Leute wieder etwas mehr zu Konzerten bewegen? Das ist einer der Beweggründe, warum ich oft deutsche Bands vorstelle. Es freut mich jedes Mal, wenn ich einen Kommentar lese wie: „Cool, die muss ich mir mal anhören.“ Oder: „Hey, die spielen bei mir um die Ecke, die werde ich mir anschauen.“ Hast du für die nächste Zeit noch Projekte geplant, auf die wir uns freuen können? Ich habe es weiter oben schon angeteasert: In Zukunft – allerdings nicht kurzfristig – plant der Stoner-Rock-Fan Götz etwas, das dann auch deutschsprachig sein wird und sich gezielt dem nationalen Underground widmet. Ich glaube nicht, dass ich damit das Rad neu erfinde, aber vielleicht kann ich einen kleinen Beitrag dazu leisten, mehr Aufmerksamkeit auf unseren Underground zu lenken. „Stoner Totem“ wird das nicht ersetzen. Das neue Format wird sich inhaltlich auch deutlich davon unterscheiden und, soweit es aktuell aussieht, nur ein- bis zweimal im Monat auf einer anderen Plattform erscheinen. Mehr mag ich dazu aktuell noch nicht verraten.
 
 
 
Checkt das Stoner Totem auf jeden Fall mal auf Instagram aus und lasst ein Like da  
 
Tausend Dank an Götz für die offenen und ausführlichen Antworten zu einem Thema, was wir jetzt und auch in der Zukunft immer mehr wahrnehmen werden. Ein ganz großes Dankeschön für deinen Support für die Szene! 
 
 

Blogworm #9: Die Alpakas von Mielkendorf

Ja Freunde, ich befinde mich gerade mit meiner Frau und unserem kleinen Hund im Urlaub und wir machen einen Trip die Küste entlang. Genauer ...