Mittwoch, 15. Juli 2026

Blogworm #3: Stoner Totem Magazine

 Mittwochs, Ausgabe Nummer 3 des Blogworms! Wer hätte das gedacht ;) Es macht mir gerade wahnsinnig viel Spaß hier ein bisschen Content zu produzieren, vorallem da eure Unterstützung einfach unglaublich und viel größer ist, als ich es mir am Anfang gedacht habe. Tausend Dank dafür! Und jetzt herzlich willkommen beim Blog zum deutschen Heavyunderground, mitsamt Peripherie. 
 
Bei unserer dieswöchigen Story haben wir den Götz vom Stoner Totem Magazin, einer noch relativ frischen Plattform auf Instagram welche mit Reviews und Promotions in einem ungewöhnlichen Stil auf sich aufmerksam macht. Mit Hilfe von KI werkelt Stoner Totem meist kleine Videos zusammen, bei denen ein Avatar mit einer Sugar Skull Maske durch das Thema führt. Seine Unterstützung gehört hier vorwiegend der deutschsprachigen Szene und ich habe mir Götz als Storypartner gesucht, da mich brennend seine Meinung zu KI Inhalten interessiert.
 
 
 
 
Götz, stell dich doch einmal bitte selber nochmal vor und erzähl uns, wie es zu der Idee des Stoner Totems Magazins kam. Als Erstes vielen Dank, dass ich die unglaubliche Chance bekomme, mich hier vorzustellen. Ich bin 54 Jahre alt und seit 41 Jahren ein absoluter Music Junkie. Die Idee von Stoner Totem schlummerte eigentlich schon recht lange in meinem Kopf, nur fehlte mir die Zeit. Ich habe über Jahre hinweg unzählige Album-Reviews auf YouTube geschaut. Irgendwann fiel mir auf, dass viele nach demselben Muster funktionieren: Man sieht jemanden vor der Kamera sitzen, der erzählt, wie großartig das neue Album einer ohnehin etablierten Band ist. Aber sind das wirklich die Bands, die unsere Szene am Leben halten? Passiert dort wirklich Spannendes oder sind es die Underground-Bands, die abseits des Mainstreams der Szene immer wieder frische und neue Impulse einbringen? Natürlich haben die großen Namen ihre Berechtigung. Aber lebt unsere Szene nicht vor allem von den kleinen Bands, die mit Leidenschaft neue Musik veröffentlichen, obwohl sie kaum Aufmerksamkeit bekommen? Genau diesen Bands wollte ich eine Plattform geben. Mit diesem Ansatz habe ich vor gut einem Jahr Stoner Totem ins Leben gerufen. Ich möchte nicht wie ein Marktschreier das neue Superalbum der Superband XY anpreisen, sondern auf den wirklich vielschichtigen Underground aufmerksam machen und den Bands gleichzeitig einen Mehrwert bieten, indem ich ihre Musik mit meinen eigenen Bildern, Ideen und kleinen Geschichten verbinde. Daraus entstehen kurze visuelle Reviews, die vielleicht den einen oder anderen Stoner-Fan neugierig machen. Ich entwickle Stoner Totem ständig weiter und freue mich über jeden Kommentar, jedes Feedback und natürlich über jede Band, die sich in meinen Beiträgen wiederfindet. Wenn ich es schaffe, dass dadurch auch nur ein paar Menschen eine neue Lieblingsband entdecken, dann hat Stoner Totem seinen Zweck erfüllt. Wie kamst du zum Heavy Underground und wie hat dich dieser über die Jahre begleitet? Angefangen hat es bei mir als Bengel mit den alten Beatles-Platten. Mit zwölf Jahren habe ich mir von meiner Schwester eine MC gemopst und von da an war es um mich geschehen – ich war vom harten Rock angefixt. Mein Einstieg war recht klassisch: Deep Purple, Black Sabbath, Uriah Heep etc. Ab 1986 kam dann die härtere Metal-Schiene mit Anthrax, Metallica, Slayer sowie einigen europäischen Thrash-Metal-Bands und Hardcore-Bands wie Agnostic Front oder den Cro-Mags dazu. Wie viele in meinem Alter hat mich Anfang der 90er auch der Grunge voll mitgenommen. Besonders geil fand ich Soundgarden und Alice in Chains, und ich liebe beide Bands noch heute. Zur selben Zeit entdeckte ich außerdem die großartigen Trouble für mich. Und so nahm das Ganze bei mir seinen Lauf. Hast du selber mal Musik gemacht oder in einer Band gespielt? Bei den meisten, die sich in dieser kleinen Nische hier rumtreiben, ist das ja der Fall. Es war immer mein absoluter Traum, ein richtiger Musiker zu werden. Aber die Realität war ziemlich hart zu mir und so flog ich als 17-Jähriger aufgrund absoluter Talentlosigkeit aus einer Punkband ... das muss man mir erst einmal nachmachen! Der Weg über KI-Videos zu gehen ist natürlich kein unumstrittener und, wie man immer wieder hört, in der Stoner-Szene eher unbeliebt. Allerdings hast du einen sehr eigenen Stil entwickelt, der einen echten Wiedererkennungswert und Mehrwert besitzt. Deine Videos sind zwar KI-generiert, aber in keinster Weise sloppy oder Ähnliches und man merkt, dass du dich wirklich mit den Themen auseinandersetzt und viel Wert auf den Kerninhalt legst. Wie stehst du zu dem Thema und wie kam es dazu, diesen sehr eigenwilligen Weg zu gehen? KI ist einer der Hauptbestandteile meiner Videos – neben realen Videoaufnahmen, Bandfotos oder selbst aufgenommenen Livesequenzen von Konzerten. Ich benutze sie nicht, damit sie für mich kreativ wird, sondern als nützliches Tool, um meine Ideen visuell attraktiver umzusetzen. Wenn ich Musik höre und mir Texte oder die dahinterstehenden Konzepte durchlese, sehe ich die Musik vor mir. Das hört sich vielleicht komplett blöd an, aber beim Hören von Musik, die mir gefällt, läuft bei mir im Kopf gleichzeitig ein Film ab. Das ist dann quasi mein Drehbuch. Ich kreiere zum Beispiel einen Protagonisten, den ich anschließend mithilfe von KI in eine Geschichte einbinde. Oft wird KI meiner Meinung nach aber falsch eingesetzt und dafür genutzt, die eigene Kreativität zu ersetzen. Es werden generische Prompts, zum Beispiel mithilfe von ChatGPT, erstellt, ohne eigene Ideen mit einfließen zu lassen. Das sieht man den meisten Endergebnissen dann auch an. Ich hoffe, dass ich inzwischen meinen Weg gefunden habe, meine Ideen mit Unterstützung von KI umzusetzen. Und genau da kann man wunderbar die Brücke zur Stoner-Szene schlagen. Sie steht für handgemachte Musik und Authentizität. Solange die Musik und die Ideen ehrlich sind und KI lediglich als Werkzeug dient, sie visuell umzusetzen, sehe ich daran überhaupt nichts Verwerfliches. Was für mich persönlich nicht funktioniert, ist, wenn KI musikalisch eingesetzt wird und dem Fan als handgemacht verkauft werden soll.
 
 
Welche Tools benutzt du, um deine Videos zu generieren, und wie lange braucht eine durchschnittliche Review für dich – von der Idee bis zur letztendlichen Veröffentlichung? Zum Verständnis: Ich kann mir gut vorstellen, dass die Videos in deinem Stil aus mehr bestehen, als nur ein paar Wörter in ein Textfeld einzutragen und dann kommt der neueste Stoner Totem dabei heraus. Mein absolut wichtigstes Tool ist der Editor, in dem ich mir am Anfang ein Skript zur Musik und zu meinen Bildern erstelle. Für die Gestaltung der Hauptelemente der Story nutze ich parallel ChatGPT, Copilot, Gemini und Grok und modifiziere deren Ergebnisse anschließend. Ich nutze so viele KI-Tools, da sie – je nach zu erstellendem Protagonisten, Motiv oder Aufgabenstellung – unterschiedliche Ergebnisse liefern. Deshalb kombiniere ich mehrere Werkzeuge, um am Ende genau das Ergebnis zu erhalten, das ich anschließend so modifizieren kann, wie ich es im Kopf habe. Anschließend schreibe ich für jede einzelne Szene die entsprechenden Prompts im Editor auf. Zum Erstellen der einzelnen Szenen verwende ich zum Beispiel die Bezahlversionen von Hailuo und/oder Pippit. Mit Clipchamp füge ich dann Live-Videosequenzen, reale Videos, meine erstellten KI-Szenen etc. zu einer Rohfassung zusammen. Da CapCut über viele geniale zusätzliche Funktionen verfügt, bearbeite ich die Endfassung anschließend mit dessen Hilfe. Das ist vielleicht strange, aber je länger ich Stoner Totem betreibe, desto mehr Zeit brauche ich für jede einzelne Review. Als meine Vision von Stoner Totem noch nicht so ausgereift war, habe ich zwei bis vier Reviews pro Woche herausgezimmert. Inzwischen brauche ich jedoch mindestens drei bis fünf Tage für eine einzige Review. Als Vorlaufzeit nehme ich mir mindestens eine Woche, um mich intensiv mit der Musik auseinanderzusetzen, bevor ich mit der eigentlichen Planung beginne. Allein für eine fünfminütige Review entstehen oft viele einzelne Szenen, die ich mehrfach anpasse und anschließend zusammenschneiden muss. Deshalb dauert eine Review heute deutlich länger als noch vor sechs Monaten. Mir ist wichtig, dass der Zuschauer die Musik nicht nur hört, sondern sie durch meine Bilder auch erleben kann. Deshalb investiere ich bewusst viel Zeit in jede einzelne Review.
 

  Ich finde die Idee, die du umsetzt, ja selber gut, weil du so gerade kleinen Bands etwas bietest, was sonst kaum realisierbar ist. Du machst kleine animierte Videos für Bands und setzt so deine Ideen in Bild und Ton um. Allerdings ist das natürlich ein durchaus kontroverses Thema. Hattest du mal Kontakt mit einer Band, die das gar nicht von ihrem Content haben wollte? Gab es sonst aus der Community mal Kommentare oder gar Anfeindungen wegen deiner Arbeit? Bevor ich überhaupt eine Review plane, schreibe ich alle Bands an, erkläre kurz, was ich mache und mit welchen Tools ich meine Videos erstelle. Außerdem frage ich ausdrücklich nach, ob ich Bandfotos, Cover-Artwork und Songschnipsel verwenden darf. Bisher habe ich ausschließlich positives Feedback erhalten und alle Bands haben sich meiner Art, Content zu erstellen, gegenüber sehr offen gezeigt. Inzwischen passiert es sogar regelmäßig, dass Bands mich anschreiben und fragen, ob ich Lust hätte, eine Review zu ihrem neuen Output zu machen. Ehrlich gesagt hatte ich am Anfang eher erwartet, dass meine Art der Content-Erstellung kritischer gesehen wird – gerade weil KI für viele ein sensibles Thema ist. Umso cooler finde ich es, dass ich mit dieser Vermutung komplett danebenlag. Einen einzigen wirklich negativen Kommentar gab es bisher. Der richtete sich allerdings gar nicht gegen meine Arbeit, sondern gegen die Band, die ich vorgestellt hatte. Der Vorwurf war, dass man sie nicht unterstützen sollte, weil sie KI für ihr Bandlogo und das Cover-Artwork verwendet hatte. Der Kommentator brachte die wildesten Argumente vor, warum eine Band grundsätzlich keine KI nutzen sollte. Die Band hat darauf sachlich geantwortet, aber derjenige wollte immer weiter provozieren. Irgendwann war für mich der Punkt erreicht, an dem ich die Diskussion beendet habe. Kritik ist völlig in Ordnung – aber wenn eine Diskussion nur noch darauf abzielt, Streit zu provozieren, bringt sie niemandem etwas. Um das Thema noch einmal rund zu bekommen: Wie stehst du zur alltäglichen Nutzung von KI in der Arbeitswelt oder in der Kunst? Vor allem, wenn man in Richtung Uncanny Valley, KI-Slop oder Fake-Videos schaut, kann einem ja schon Angst und Bange werden. Genauso ist die Entwicklung KI-generierter Musik natürlich ein schwieriges Thema, vor allem vor dem Hintergrund, wie viele Klicks damit generiert werden. Aufgrund meines Jobs bin ich auf die Nutzung einzelner KI-Funktionen angewiesen und habe dadurch bereits Erfahrungen gesammelt, wie man Prompts effizient schreibt, damit das Ergebnis den eigenen Vorstellungen entspricht. Als Unterstützung ist KI für mich sinnvoll. Sobald sie jedoch als Ersatz für Menschen eingesetzt wird, halte ich das für unglaublich kritisch und nicht zielführend. Ich bin der Meinung, dass KI nicht in der Lage ist, die Aufgaben von Fachpersonal vollständig zu ersetzen. Ich möchte den künstlerischen Bereich einfach einmal am Beispiel einer kleinen, stadtbekannten Stoner-Rock-Band darstellen. Die meisten Bandmitglieder arbeiten regulär, investieren ihren hart verdienten Lohn in Instrumente, eventuell in die Proberaummiete, Fahrtkosten zu kleineren Gigs und müssen nebenher noch Frau und Kinder am Atmen halten. Warum sollten sie nicht KI zur Gestaltung eines Cover-Artworks, eines Bandlogos oder vielleicht eines kleinen Lyric-Videos nutzen? Wenn es Underground-Bands gibt, die mit ihren Auftritten und Merch-Verkäufen noch den einen oder anderen Groschen zur Seite legen können, dann, Jungs … denkt nach. Ihr werdet von der Szene und den Fans unterstützt – gebt auch etwas zurück und lasst euch ein tolles Cover und/oder Video von einem Profi erstellen. Wichtig ist für mich: Wenn KI zum Einsatz kommt, dann sollte man auch dazu stehen und sie nicht als eigenes Werk an den Mann oder die Frau bringen! Mit Uncanny-Valley-Inhalten bringst du etwas auf den Punkt, was man mir auch vorwerfen könnte. Ich versuche – auch wenn es mir vielleicht nicht immer gelingt – eher Protagonisten einzusetzen, um eine atmosphärische oder surreale Geschichte zu erzählen. Das ist auch der Grund, warum ich in meinen Videos viel mit Filtern arbeite. Ich habe überhaupt kein Problem mit KI, solange sie den Menschen unterstützt und offen mit ihrem Einsatz umgegangen wird. Was mir allerdings wirklich Sorgen macht, sind Inhalte, die Menschen bewusst täuschen sollen. Egal ob Fake-Videos oder KI-generierte Inhalte, die als echt verkauft werden – genau hier wird für mich eine Grenze überschritten. KI sollte den Menschen helfen und nicht dazu missbraucht werden, ihnen zu schaden – weder körperlich noch finanziell oder emotional. Witzig dazu: Ich saß letztens noch mit meiner Frau in einem Café und einen Tisch weiter war ein Mann, etwas jünger als ich, der gerade ChatGPT versuchte, einen Hip-Hop-Song zu erklären – Musik, Hooks, Reimschemata –, während die KI ihn offenbar nicht zum gewünschten Ergebnis führte. Im Moment habe ich das Gefühl, wir bewegen uns auf einen Punkt zu, an dem die Gesellschaft den Einsatz künstlicher Intelligenz bis zu einem gewissen Grad toleriert, irgendwann aber eine Grenze ziehen wird. Wie siehst du das? Wie verändert das die Gesellschaft? Die Grenze ist für mich nicht die KI selbst, sondern ihr Missbrauch – sowohl im wirtschaftlichen als auch im gesellschaftlichen Sinne. Ich glaube, viele Unternehmen werden das Potenzial der KI bis zum Äußersten ausschöpfen, um ihre Marktposition weiter auszubauen. Das kann natürlich viele Vorteile mit sich bringen, aber eben auch die Kehrseite haben, dass Arbeitsplätze wegfallen. Callcenter sind dafür ein gutes Beispiel. Dort sorgt KI schon heute dafür, dass für einfache Standardanfragen immer weniger Mitarbeiter benötigt werden. Was mir aber fast noch mehr Sorgen macht, ist die gesellschaftliche Entwicklung. Ich habe das Gefühl, dass wir immer bequemer werden. KI nimmt uns vieles ab, was auf der einen Seite praktisch ist, auf der anderen Seite aber auch dazu verleitet, weniger selbst nachzudenken. Gerade im Bildungsbereich sehe ich darin eine große Gefahr. Wenn Schülerinnen und Schüler ihre Arbeiten nur noch von einer KI erstellen lassen, geht ein wichtiger Teil des Lernens und der eigenen Entwicklung verloren. Ich kann mir außerdem vorstellen, dass manche Menschen irgendwann eine stärkere Bindung zu einer KI aufbauen als zu echten Menschen und sich auf eine parasoziale Beziehung mit ihr einlassen. Auch das sehe ich kritisch. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir klare ethische Leitlinien brauchen – sowohl für Unternehmen als auch für die Gesellschaft. KI ist für mich nichts Schlechtes. Solange sie den Menschen unterstützt und verantwortungsvoll eingesetzt wird, sehe ich in ihr eine echte Bereicherung. 
 
 

 
Mittlerweile zeigst du dein Gesicht auch ab und an auf deinem Kanal oder teilst persönliche Inhalte aus deinem Leben. Dadurch bekommt der Fan deines Kanals natürlich noch einmal eine andere Bindung. Könntest du dir vorstellen, den Sugar Skull irgendwann mal komplett abzulegen und selber vor der Kamera als Main Act zu stehen? Gut beobachtet … Tatsächlich hatte ich von Anfang an vor, ein kleines Mysterium um den Sugar Skull Guy aufzubauen und mich dann irgendwann meiner Community zu revealen. Dazu kam es dann aber schneller, als ich gedacht habe, denn mir ist es wichtig, eine Connection zu den einzelnen Followern und den Bands aufzubauen. So wurde aus dem Mysterium plötzlich ein cooles Trademark in meinen Videos. Diesbezüglich war Anfang des Jahres ein besonders cooler Moment, als ich bei der Clostridium Pub Night vor dem Merch-Stand stand und du direkt auf mich zugekommen bist und mich mit den Worten: „Du bist doch der Typ vom Stoner Totem!“ begrüßt hast. Das hat mich darin bestärkt, dass es genau die richtige Entscheidung war. Tatsächlich würde ich es auf Instagram aber gerne weiterhin so beibehalten, dass der Sugar Skull Guy durch die Videos führt und ich mich immer mal wieder als Mensch präsentiere. Ich möchte zwar nicht zu viel anteasern, aber es ist gut möglich, dass ich parallel zu Stoner Totem etwas plane, bei dem Götz der Main Act ist. Was war dein persönliches Highlight im Stoner-Kosmos bisher in diesem Jahr und gibt es etwas, worauf du dich dieses Jahr noch besonders freust? Ohne jemandem Honig um den Bart schmieren zu wollen, war eure Releaseparty zu „Lonestar“ für mich ein absolutes Highlight, das ich so nicht erwartet habe. Ich hatte zwar schon gedacht, dass es bestimmt ein geiler Abend wird, aber von der Organisation, dem Ablauf und der Versorgung war alles einfach super liebevoll durchdacht. Es gab leckeres Bier, leckeres Essen, einen geilen Ablaufplan der Bands, keine langen Umbaupausen … es war ein unglaublich unterhaltsames Mini-Festival mit vier sehr geilen Bands! Die nächsten Events, denen ich entgegenfiebere, sind definitiv euer Gig zusammen mit den supernetten SPACE CRUISER und TFNRSH, die ich unglaublich gerne höre und dann endlich mal live erleben kann. Direkt danach folgt im November DAILY THOMSON im Pitcher. Grundsätzlich zieht es mich eher in kleine Clubs als in große Hallen. Dort ist die Atmosphäre einfach intensiver, man ist näher an den Bands und erlebt die Musik viel direkter. Genau das macht für mich den Reiz der Stoner-Szene aus.
 

Neben deiner Tätigkeit als Blogger bist du öfter auf Konzerten anzutreffen. Was gibt dir die Szene und wie siehst du die Entwicklung der letzten Jahre? Ich bin seit Jahren fast ausschließlich auf Underground-Events unterwegs, weil dort der Stoner Rock für mich noch wirklich atmet – kreativ, roh und authentisch. Da geht es nicht nur um die Bands auf der Bühne, sondern um dieses gemeinsame Ding: einen geilen Abend zu haben, egal ob als Band oder als Publikum. Das kriegt man aber nur mit, wenn man bereit ist, über den Tellerrand zu schauen und sich auch mal abseits der etablierten und namhaften Bands bewegt. Klar, man kann sich ein paar bekannte Namen ins Regal stellen und dann sagen, die Szene stagniert. Oder man wuchtet sich aus dem Ohrensessel und geht in die kleinen Clubs – denn genau da passiert das Ganze noch wirklich. Da lebt der Stoner Rock – laut, ehrlich und unverstellt. Was mich allerdings ein bisschen ins Grübeln bringt: Ich habe persönlich das Gefühl, dass dem Underground zunehmend der Nachwuchs an Fans fehlt. Auf vielen Gigs fällt mir auf, dass das Publikum meist erst irgendwo bei Ü35 anfängt und dann bis Ü60 geht. Das macht mich schon nachdenklich, wie sich die Szene in den nächsten Jahren weiterentwickeln soll. Die talentierten Bands sind da – daran liegt es definitiv nicht. Das Problem ist eher, dass sie oft vor einem Stammpublikum spielen, aber ohne wirkliches Wachstum. Erschreckend fand ich letztes Jahr zum Beispiel die Gigs von internationalen Bands wie MISS LAVA (Vorprogramm: SAINT SERPENT), die vor vielleicht 15 Leuten gespielt haben, oder SONS OF ARRAKIS vor rund 30 zahlenden Nasen, die sich trotzdem den Hintern wund gespielt haben. Und genau da wird es dann auch ehrlich: Eine Szene lebt nicht davon, dass man sie in den sozialen Medien feiert oder über ihre Vergangenheit spricht, sondern davon, dass man selbst noch in den Club geht, sich die Alben und ein bisschen Merch mit nach Hause nimmt und mit Freunden darüber redet. Wenn das nicht passiert, dann braucht man sich irgendwann auch nicht wundern, wenn genau diese Clubs irgendwann leer bleiben. Gerade in der Livemusik ist ja einiges ins Wanken geraten, was die Anzahl der Besucher sowie die Kosten für Bands und Veranstalter angeht. Glaubst du, du kannst mit deinem Content etwas in die richtige Richtung bewegen und die Leute wieder etwas mehr zu Konzerten bewegen? Das ist einer der Beweggründe, warum ich oft deutsche Bands vorstelle. Es freut mich jedes Mal, wenn ich einen Kommentar lese wie: „Cool, die muss ich mir mal anhören.“ Oder: „Hey, die spielen bei mir um die Ecke, die werde ich mir anschauen.“ Hast du für die nächste Zeit noch Projekte geplant, auf die wir uns freuen können? Ich habe es weiter oben schon angeteasert: In Zukunft – allerdings nicht kurzfristig – plant der Stoner-Rock-Fan Götz etwas, das dann auch deutschsprachig sein wird und sich gezielt dem nationalen Underground widmet. Ich glaube nicht, dass ich damit das Rad neu erfinde, aber vielleicht kann ich einen kleinen Beitrag dazu leisten, mehr Aufmerksamkeit auf unseren Underground zu lenken. „Stoner Totem“ wird das nicht ersetzen. Das neue Format wird sich inhaltlich auch deutlich davon unterscheiden und, soweit es aktuell aussieht, nur ein- bis zweimal im Monat auf einer anderen Plattform erscheinen. Mehr mag ich dazu aktuell noch nicht verraten.
 
 
 
Checkt das Stoner Totem auf jeden Fall mal auf Instagram aus und lasst ein Like da  
 
Tausend Dank an Götz für die offenen und ausführlichen Antworten zu einem Thema, was wir jetzt und auch in der Zukunft immer mehr wahrnehmen werden. Ein ganz großes Dankeschön für deinen Support für die Szene! 
 
 

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