Mittwoch, 23. September 2026

Blogworm #13: Per Zeitreise durch die Galaxis

Langsam aber sicher bewegen wir uns auf die nächste Veranstaltung meinerseits zu und vielleicht ist das eine gute Möglichkeit, euch hier einmal die Woche die Bands für das Konzert am 09ten Oktober im BrauArt näherzubringen. Natürlich mit einem kleinen Interview zur Band und einem übersichtlichen Rig Rundown! Weil ganz ehrlich, gibt es etwas schöneres als einem anderen Musiker auf sein Pedalboard zu schauen, Meinungen zu teilen oder sich pfiffige Ideen auszuklügeln? Ich denke nicht und deswegen viel Spaß bei Blogworm #13 - diesmal frisch aus Kaarst.

Manchmal sind es die kleinen, eher unscheinbaren Bands die einen live faszinieren, mit ihrem eigenen Sound und Vibe überraschen und einen nachhängenden Eindruck hinterlassen. Diese Unbeschwertheit die solche Vertreter ausstrahlen, bevor diese dann selbst ein Feuerwerk auf der Bühne zünden und ein erstauntes Publikum zurücklassen wirken in gewisser Weise magisch. Eine diese Bands die ich dieses Jahr kennenlernen durfte sind Space Cruiser aus Kaarst! Thor, Tobi und Karsten standen mir zum Interview bereit und ich freue mich euch heute eine Band vorstellen zu dürfen, die auf jeden Fall eure Aufmerksamkeit verdient hat.




Moin, stellt euch und euer Projekt Space Cruiser am besten einmal kurz vor und erzählt uns eure Geschichte.

Die Band Space Cruiser wurde im Jahr 2345 von aufständischen Minenarbeitern gegründet, die von einem gekaperten Patrouillenschiff des imperialen Pharma- und Digital-Kartells aus die Galaxie mit vorwiegend politischer und sozialkritischer Rockmusik beschallten.

Nach der blutigen Niederschlagung des Aufstands im Jahr 2354 gelang es dreien der ehemals fünf Bandmitglieder, in das 21. Jahrhundert zu fliehen. Um ihre Vergangenheit in der Zukunft nicht zu gefährden – oder umgekehrt …? – beschlossen die drei, eigentlich recht ambitionierten Musiker, von nun an nur noch höchst unpolitische Instrumentalmusik ohne jedes Konzept zu produzieren.


In welchen Projekten seid oder wart ihr bisher aktiv? Wie ist der musikalische Werdegang der einzelnen Mitglieder?

Thor: Ich spiele seit ca. drei Jahrzehnten Gitarre, wenn es sein muss auch mal Bass und ein kleines bisschen Drums und Keys. Ich habe schon in einigen Bands mit zahlreichen Gigs gespielt, unter anderem auch in Frankreich, Belgien und Luxemburg. Da ich von Anfang an von der Produktion von Musik fasziniert war und mich viel mit Recording und Mixing beschäftigt habe, habe ich vor zwei Jahren ein Studium als Audio Engineer abgeschlossen.
Mit Tobi am Schlagzeug mache ich mittlerweile seit über zehn Jahren Musik in verschiedenen Line-ups. Mein Bruder Karsten ist dann vor ca. acht Jahren am Bass dazu gekommen. Parallel zu Space Cruiser betreibe ich noch mein Progressive-Art-Rock-Projekt „Forgot The Name“, das ich alleine in meinem Homestudio produziere.

Tobi: Vor Space Cruiser habe ich in den Combos Slomind (Stoner/Metal) und Bunghole (Thrash/Crossover) Bass gespielt. Außerdem spiele ich bei Chucky & Tobi Im (Kon)Takt selbstgebaute Kofferdrums.
Ans Schlagzeug spielen bin ich eher durch Zufall ran gekommen. Wie das so ist wenn im Proberaum ein Set steht und man nach der Probe noch Bock hat ein bisschen die Kessel zu bearbeiten. Über die Jahre habe ich mir so Autodidakt das Schlagzeug spielen angeeignet.

Karsten: Ich bin seit acht Jahren bei Space Cruiser und spiele Bass. Mit 15 Jahren habe ich angefangen, Bass zu spielen. Es war Liebe auf den ersten Blick und ich bin diesem Instrument bis heute treu geblieben. Ich liebe die Vielseitigkeit dieses Instruments mit seinen unterschiedlichen Anschlagsformen und der Möglichkeit, sowohl Harmonien zu spielen als auch rhythmisch zu agieren. 
Ich habe fast ausschließlich in Bands gespielt. Prägend waren für mich die Arrangements mit Stranger MC und Mondfish. Während wir bei Stranger MC eher Funk-Rock-Grooves nach dem klassischen Songwriter-Modell erstellten, war das Konzept von Mondfish rein experimentell. Unser damaliger Auftritt im Museum Abteiberg in Mönchengladbach war eine Live-Video-Performance mit mehreren Screens und Projektionen, die musikalisch untermalt wurden. Für mich ist Space Cruiser in gewissem Sinne eine Fortführung dieses Konzepts.




Woher nehmt ihr eure Inspiration, die am Ende zur Musik wird? Wird beim Songschreiben hauptsächlich gejammt, oder arbeitet ihr eher nach Riffs?

Karsten: Die Inspiration entsteht bei uns aus verschiedenen Dingen. Einerseits natürlich hauptsächlich durch das Hören von Musik, andererseits entsteht sie durch ein „morphisches Feld“, das wir versuchen einzufangen und musikalisch wiederzugeben.

Thor: Songwriting im klassischen Sinne ist bei uns eher selten, da wir die meiste Zeit – auch live – improvisieren. Das Konzept des freien Jams hat uns auf kurz oder lang überzeugt und macht einfach nur Laune. Wenn wir doch mal einen Song schreiben, steht meist ein Gitarrenriff am Anfang.

Tobi: Wir machen schon lange zusammen Musik und sind absolut aufeinander eingegroovt. Teils hören wir uns vor einem Gig auch etwas warm, zum Beispiel mit Long Distance Calling.


Ihr seid Mitglieder im örtlichen Musikernetzwerk K*Buff. Was ist das, wer ist noch so alles dabei und wie wichtig findet ihr es, sich lokal mit anderen Musikern in solchen Vereinen zu vernetzen?

Tobi: Der K*Buff ist ein gemeinnütziger Verein für Subkultur und Kleinkunst. Ich bin dort als stellvertretender Vorstand aktiv.

Der Verein möchte jedem eine Bühne bieten, der sonst vielleicht nicht die Möglichkeit dazu hätte. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei das Konzept des freien Eintritts beziehungsweise „Hut geht rum“.

Dadurch soll es jedem ermöglicht werden, beispielsweise ein Konzert zu besuchen. Für uns ist es sehr wichtig, sich untereinander zu vernetzen. Nur so kann man die verschiedensten Verbindungen herstellen. Man trifft immer wieder geile Leute, die dieselben Ideale verfolgen, und daraus entstehen neue Kontakte, Projekte und Möglichkeiten.

Thor: Ich bin eher nicht so der Vereinstyp, aber den Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Musikern finde ich wichtig und oft sehr inspirierend.




Seid ihr noch in anderen Netzwerken oder Vereinen aktiv?


Nein, aktuell nicht.


Bei euch gab es meines Wissens nach bisher nur digitale Veröffentlichungen. Soll sich das in Zukunft ändern und ihr bringt was auf CD oder Vinyl raus?

Thor: Ja, auf jeden Fall! Vinyl ist immer noch der große Traum – fett analog produziert, im großen Studio, durch eine Neve oder SSL auf Band … das wär’s.

Aber dafür müssen wir wohl noch ein bisschen sparen.

Tobi: Für mich als Vinyl Hörer ist es natürlich immer ein Traum seine eigenen Werke auf solch einem Teller aus schwarzem Gold zu verewigen! Durch die beiden vorherigen Bands weiß ich auch das es
kein Traum bleiben muss! Wer weiß was da noch kommt ;-)




Ihr geht, im Vergleich zum standardmäßigen Stoner-Amp-Worship, den Weg über digitale Amp-Sims. Wie kam es dazu, was ist der Vorteil für euch und seht ihr da Nachteile? Ohne entsprechende PA vor Ort wird es ja auch schwer, oder seid ihr da entsprechend vorbereitet?

Thor: Ich habe immer mal wieder digitale Boards ausprobiert. Obwohl ich ein überzeugter Röhrenfan bin, sehe ich doch auch die Vorteile dieser All-in-One-Kisten: einfache Live-Bedienung, Zuverlässigkeit, keine Schlepperei, schneller Umbau und ein konstanter Sound.
Bislang konnten mich diese Kisten aber nicht wirklich überzeugen und ich bin bei meinen Valve-Amps – Marshall 50W Plexi, Marshall DSL 100, Engl Ritchie Blackmore und Engl Fireball – geblieben.
Das Headrush mit seiner Ampclone-Technologie war das erste Digitalgerät, das für mich ausreichend authentisch klingt, um es live zu verwenden. Das mache ich jetzt seit ca. anderthalb Jahren. Vorher gab es für mich nur Röhrenamp und 4x12er auf der Bühne.
Eine geeignete PA vor Ort ist mittlerweile ja fast Standard. Allerdings bevorzuge ich meine eigene Monitorbox, da ich mit den Monitoren vor Ort schon weniger gute Erfahrungen gemacht habe. Falls mal keine PA vorhanden ist, können wir unsere eigene mitbringen – eine 900-Watt-„Eigen“ aus den 90ern.
Ansonsten gilt: Valves and Four by Twelves!

Karsten: Da ich gerne experimentell mit meinem Bass arbeite, bietet mir das Digitalboard die optimalen Bedingungen dafür. Damit lassen sich suspekte und fremdartige Töne erzeugen, aber auch drückende, fette Bass-Sounds. Testen und kalibrieren können wir die Einstellungen über unsere PA.




Diese digitale Geschichte, wie ihr sie nutzt, habe ich bisher in sehr gut ausgeklügelter Version, wie bei euch gesehen, allerdings auch schon bei anderen Bands in, ich nenne es mal so, mangelhaftem Zustand. Da waren teilweise Bands, die haben für ihren Soundcheck zwei- bis dreimal so lange gebraucht wie wir und am Mischer lag es nicht. Da muss schon jemand Zeit damit verbringen, alles an den Start zu bringen und sich damit auseinanderzusetzen, oder? Wie läuft das bei euch ab?


Thor: Als mittlerweile recht erfahrener Gitarrist und Audio Engineer habe ich keine Probleme damit, meinem Board ansprechende Klänge zu entlocken.

Wir beschäftigen uns im Vorfeld intensiv mit unseren Sounds und Einstellungen. Dadurch wissen wir ziemlich genau, was wir live brauchen und was wir an die PA beziehungsweise auf die Monitore schicken.


Würdet ihr mir einen ausführlichen Rig Rundown geben, so als kleine Vorbereitung auf das kommende Event am 09. Oktober im BrauArt?

Thor: Ich spiele bei Space Cruiser hauptsächlich Hagstrom-Gitarren: eine Northen, eine Super Swede – beide LP-Style – und eine Deuce F, eine Double Cut, Semi-Hollow mit Humbuckern und 25,5” Mensur.

Alle Gitarren spiele ich im Standard-E-Tuning. Das Signal läuft durch mein Headrush Prime mit Stereo-Ausgang über 2x XLR Line Out. Eine Monitorbox bringe ich selber mit.





Karsten: Ich spiele ausschließlich einen Fender Jazz Bass Made in Japan. Diesen spiele ich seit nunmehr 30 Jahren. Andere Bässe konnten mich nicht abholen. Ich liebe dieses Ding wie meine Partnerin.

Durch mein Digitalboard kann ich den Bass sowohl mit drückenden, fetten Sounds als auch mit experimentellen und fremdartigen Klängen einsetzen.





Tobi: Mein jetziges Set ist ein Kirchhoff Acryl Set in giftgrün. Kesselgrößen: 10“ TomTom, 14“+16“ FloorTom, 22“ Bassdrum (mit LED Ring), 14“ Mapex Exterminator Snare

Meine Cymbals sind bunt gemischt: 14“ Meinl Headliner Brass HiHats, 8“ Fame Splash, 17“ Anatolian Baris Crash, 17“ Zultan RAW Crash, 21“ Zildjian ZBT Ride, 12“ Meinl HCT Crash Stacks

Fußmaschine: Fame DFP9001 (nutze aber nur ein Pedal)

Sticks: all Time Favourites „Pro-Mark Classic Hickory 5B“ und ein paar NoName Schlägel für den Effekt.

Wenn wir Live spielen ist natürlich oft Festival-Besteck angesagt (Snare, Fußmaschine, Becken) aber ich bin immer froh wenn das Kit eher klassisch aufgebaut ist und man nicht zu viel daran rumschrauben muss.







Was plant ihr für die Zukunft von Space Cruiser?

Thor: Wir wollen noch viele Gigs spielen – im Frühjahr und Sommer am liebsten kleine Open-Air-Festivals und im Herbst und Winter Underground-Clubs.

Tobi: Außerdem wollen wir mal so richtig ins Studio und eine Platte produzieren. Vinyl ist dabei nach wie vor ein großer Traum. Musikalisch wollen wir wachsen und gleichzeitig weiterhin Spaß an der Musik haben.

Karsten: Mir ist dabei vor allem wichtig, weiterhin das morphische Feld mit meinen Bandkollegen wahrzunehmen. Ohne diese Inspiration ist alles nix. Und natürlich wäre es schön, wenn wir andere Menschen daran teilhaben lassen können.



Wer sich noch weiter über das Kaarster Trio informieren möchte, sollte auf jeden Fall deren Social Media Kanälen einen Besuch abstatten.



Der dann doch für eine aus dem Stonergefilde stammende Weg ungewöhnliche Weg das komplette Set-Up auf Digiboards auszurichten war eine für mich interessante Erfahrung und ich freue mich auf die nächsten Wochen, wenn wir hier nochmal über die Rigs von Wasteland Haze und TFNRSH reden werden. Wer sich das mal genauer angucken möchte, sollte auf jeden Fall am 09ten Oktober ins BrauArt kommen, wenn dort ein instrumentaler Abend der Extraklasse gefeiert wird!




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