Mittwoch, 19. August 2026

Blogworm #8: NRW Doom - Susann und die asozialen Medien

Endlich mal eine kleine Abkühlung nach den letzten Wochen... 


Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Blogworms. Ich freue mich wahnsinnig, euch heute eine Person etwas näher vorstellen zu dürfen, die für viele wahrscheinlich keine Unbekannte sein wird. Susann von NRW Doom bietet mit ihrem Kanal auf Instagram eine Promotionplattform für Bands und Veranstaltungen in und aus Nordrhein-Westfalen. Für mich als gebürtiger Essener und seit mittlerweile über 10 Jahren in Düsseldorf wohnhafter Doomjünger, bin ich natürlich Zielgruppe Nummer 1 und deswegen freue ich mich wahnsinnig auf das nachfolgende Interview. Wir reden in diesem sehr interessanten Interview nicht nur über ihre Arbeit mit NRW Doom, sondern setzen uns auch mit den Themen rund um die sozialen Medien, dem Networking und Promotion für Bands auseinander.






Hi erstmal, ich freue mich wahnsinnig dich heute in meiner Story haben zu dürfen. Erzähl mir doch erstmal etwas über dich und die Idee hinter NRW Doom. Du bist ja vor allem mit deinem Instagram Kanal bekannt, wie kam es dazu gerade hier aktiv zu sein?

Danke für die Einladung zum Interview, Christian!

NRW Doom habe ich vor über drei Jahren aus einem persönlichen Wunsch heraus ins Leben gerufen. Ich war damals deutlich aktiver auf Instagram als auf anderen Plattformen und mir hat als Fan der Doom-Szene hier einfach eine Anlaufstelle gefehlt, wo man Bands und Konzerte in NRW auf einen Blick findet.

Gerade kleine Clubshows und lokale Bands gehen schnell mal unter, weil hier einfach viel passiert. Die Idee war, mit NRW Doom eine Art Community-Anlaufstelle zu schaffen, die Konzerte, Bands und Releases ein bisschen bündelt und gleichzeitig die lokale Szene mit Promotion zu unterstützen.
Dass die Seite mittlerweile knapp 1.000 Follower hat und von Bands und Leuten aus der Szene so aktiv genutzt wird, freut mich natürlich besonders.


Bei dem Namen ist das Programm natürlich absehbar und du präsentierst in erster Linie Bands aus den Bereichen Doom, Stoner und Sludge. Gibt es noch andere Musikrichtungen, die du dir gerne anhörst? Wie wäre es zum Beispiel mit einem zweiten Kanal NRW Country oder Folk ;)

NRW Country wäre wahrscheinlich cool, aber da kenne mich glaube ich zu wenig aus haha.

Abseits von Doom, Stoner, Psychedelic und Sludge höre ich eigentlich ziemlich viel - von 70ern und 80ern über Grunge, Prog, Drone, Ambient, Heavy Metal, Death Metal und Classic Rock bis hin zu Synth Wave, Jazz, Old School Hip Hop und Soul ist da eigentlich alles dabei. Ich bin grundsätzlich immer offen für Neues.

Doom ist aber einfach meine absolute Lieblingsnische und schon seit Langem die Musik, in der ich mich tief verwurzelt fühle. Und gerade Doom, Stoner, Psychedelic, Sludge und Drone überschneiden sich ja sowieso ziemlich stark. Deshalb hat es für mich Sinn gemacht, diese Genres bei NRW Doom zusammenzufassen, anstatt zu versuchen, die ganze Musiklandschaft abzudecken.




Wieso eigentlich "nur" Nordrhein-Westfalen? Andere Plattformen versuchen sich da eher deutschlandweit, wie kam es zu der Entscheidung hier in der Lokalität deinen Schwerpunkt zu setzen?

Ich glaube, das hat vor allem damit zu tun, dass wir hier in NRW einfach eine ziemlich große und aktive lokale Szene haben. Ich selbst bin in der Szene heimisch und bin seit einigen Jahren im Pott Zuhause. Dadurch war der Bezug für mich einfach direkt da.

Und gerade die kleinen lokalen Bands zu unterstützen, finde ich wichtig. Es gibt hier so viele gute Bands und kleine Konzerte, die vielleicht nicht die große Aufmerksamkeit bekommen, aber für die lokale Szene trotzdem total wichtig sind. Gleichzeitig haben die Leute aus der Szene natürlich auch Bock, genau diese Konzerte zu besuchen und neue Bands aus der Region zu entdecken.
Deutschlandweit wäre das natürlich nochmal eine ganz andere Hausnummer. Ich glaube die Doom und Co. Szene ist inzwischen so groß in Deutschland, dass man hier kaum noch hinterherkommen würde.


Wir haben jetzt länger nichts von dir gehört, da du dich für eine Social Media Auszeit entschieden hast. Wir freuen uns natürlich riesig, dass du jetzt wieder dabei bist und wir in Zukunft wieder öfters von dir hören bzw. lesen werden. War es ein strikter Detox, oder hast du dich ab und an schonmal auf dem Laufenden gehalten? Wie kam die Entscheidung eine Auszeit zu nehmen und wie nimmt man die "sozialen" Medien wahr, wenn man eine Zeit lang abstinent war?

Das war tatsächlich ein ziemlich strikter Detox, weil ich einfach gemerkt habe, dass ich eine Social Media Auszeit brauchte. Das Problem war dabei gar nicht die Musikszene, sondern der ganze Quatsch den man abseits davon gezwungenermaßen sieht. Ich wünschte, man könnte einstellen, dass man nur die Inhalte sieht, denen man folgt, aber das ist natürlich nicht im Sinne der Plattform.
Deshalb versuche ich jetzt, einen gesunden Mittelweg zu finden. Nicht ständig online zu sein, sondern gezielt reinzuschauen, mich mit allem was für NRW Doom relevant ist, zu beschäftigen und danach das Handy auch wieder wegzulegen.




Wie ist allgemein dein Gefühl über den Zustand der sozialen Medien? Ich habe oft das Gefühl, dass viele Inhalte bedeutend schärfer und polarisierender gestaltet werden im Vergleich zu früher, wo es vornehmlich der Unterhaltung diente.

Da hast du absolut recht und das macht einfach was mit unserem Gehirn.
Mein Verhältnis zu Social Media ist daher sehr ambivalent geworden. Einerseits ist es eine riesige Chance für Bands, Labels, Locations etc. ihre Musik, Konzerte und kreativen Output direkt unter die Leute zu bringen. Gerade für kleine Bands ist das enorm wertvoll. Gleichzeitig finde ich die Entwicklung kritisch. Außerhalb der Inhalte, für die man sich eigentlich interessiert, wird einem viel zugespielt, das laut, polarisierend oder einfach belanglos ist.

Mental Heath sollte immer an erster Stelle stehen, deshalb bin ich persönlich so sensibilisiert was dieses Thema angeht. Ich bin wirklich gespannt wo die Reise da noch hingeht. Gefühlsmäßig bin ich da irgendwo zwischen fasziniert und beunruhigt.


Ein ziemlich bekanntes Problem, welches ich sowohl mit meiner Band, als auch hier mit Tapeworm immer wieder bemerke ist das Bubble Thema. Am Ende erreichst du mit jedem Post die gleichen Leute deiner Bubble, bis du es irgendwann schaffst in die nächste Bubble vorzustoßen und hier wieder neuen Zuwachs zu generieren. Was würdest du Bands empfehlen um an regelmäßige Aufmerksamkeit zu gelangen, was funktioniert deiner Meinung nach besonders gut?

Ich denke, eine gewisse Regelmäßigkeit ist wichtig, damit man nicht komplett aus dem Blickfeld verschwindet. Trotzdem würde ich keinen Content erzwingen, nur um den Algorithmus zufriedenzustellen. Reels, Collabs & Cross-Promo funktionieren natürlich sehr gut und auch einen persönlichen roten Faden bzw. ein Markenzeichen als Band zu haben (Stichwort Wiedererkennungswert).

Persönliche Einblicke finde ich für Zuhörende viel spannender als den hundertsten Promo-Post: Wie ist die Band entstanden? Was sind eure Einflüsse? Wie sieht der Proberaum aus? Wie funktioniert Songwriting bei euch? Ich finde es cool, wenn Bands dabei vor allem authentisch bleiben.
Es kommt am Ende wohl darauf an, was die eigene Intention als Band ist. Wenn man diese krasse Präsenz auf Social Media einfach nicht fühlt, sollte man sich auch nicht dazu gezwungen fühlen, um auch außerhalb der Bubble mal anzukommen. Wenn man da Bock drauf hat, klar, why not. Das kann auch echt Spaß machen.




Welche Chancen siehst du für Bands und deren Selbstvermarktung über Social Media? Was sollte eine Band abseits noch tun um ein funktionierendes Gesamtkonzept auf die Beine zu stellen?

Ich glaube, Social Media bietet Bands schon sehr viele Möglichkeiten, sich selbst zu präsentieren und überhaupt erstmal von Leuten entdeckt zu werden.
Was ich aber mindestens genauso wichtig finde: Wenn man eine Band für sich entdeckt, will man sie auch irgendwo hören können. Bandcamp ist dahingehend eine der wichtigsten Plattformen, auf der man eine Band finden kann.

Eine Band muss aber nicht auf jeder Plattform perfekt präsent sein, aber man möchte zumindest die Möglichkeit haben, ihre Musik zu hören - auch wenn es nur Demoaufnahmen sind - und mitbekommen, wann man sie live sehen kann oder es was Neues gibt.
Alles andere kann dann mit der Zeit dazukommen. Merch, aufwendige Videos oder irgendwelche Social-Media-Konzepte sind nicht unbedingt die erste Priorität.

Ich glaube ein funktionierendes Gesamtkonzept muss gar nicht unbedingt etwas wahnsinnig Kompliziertes sein: eure Musik, eine Möglichkeit, eure Musik unkompliziert zu finden und zu hören, ein bisschen Präsenz nach außen und natürlich nach Möglichkeit live spielen. Den Rest kann man meiner Meinung nach Schritt für Schritt aufbauen. Authentizität bleibt dabei entscheidend, finde ich.


Du promotest Konzerte, Bands und deren Releases. Bist du selber auch in der Musik aktiv unterwegs? Gibt es oder gab es da mal was, was man sich anhören kann? Wie sieht es mit dem selber auf Konzerte gehen aus, wie hoch ist die Chance dich mal auf einem Gig zu treffen?

Im Bandkontext bin ich selbst seit zehn Jahren am Bass aktiv. Aktuell mit meiner Band Altars of Moss. Aktuell arbeiten wir auch an einer neuen Demo, die wahrscheinlich in den nächsten Wochen erscheinen wird. Und wir haben auf jeden Fall Bock, jetzt auch wieder aktiv auf Gigsuche zu gehen. Da werde ich mich in nächster Zeit also auch mal drum kümmern.

Auf Konzerten war ich in den letzten Jahren eigentlich auch immer sehr viel unterwegs. In letzter Zeit ist das leider etwas weniger geworden, als ich selbst gerne hätte. Ich hoffe aber, dass sich das wieder ein bisschen ändert.




Reden wir über das Kernthema deines Kanals; der Promotion von Bands und Veranstaltungen. Ich mochte bei deinem Kanal immer sehr gerne, dass man dort eine sehr gute, übersichtliche Auswahl an Konzerten hatte, die wöchentlich die Gigs für die Woche in NRW darstellte. Ist so etwas in der Richtung nochmal in Planung? Für Punk und Metal gibt es ja sogar eigene Internetseiten die als Kalender funktionieren, da fand ich deine Auflistung immer sehr angenehm.

Das verstehe ich gut, die monatliche Übersicht fand ich selbst auch sehr praktisch, aber sie war manchmal etwas aufwendiger als mir lieb war. Ich denke aber drüber nach, das wieder in ähnlicher Form einzuführen. Langfristig fände ich einen richtigen, übersichtlichen Kalender spannend, eventuell sogar außerhalb von Instagram.

Über eine größere Übersicht zu regionalen Locations, Promotern, Labels, Studios etc. (als Anlaufstelle für Bands) habe ich mir auch schon öfter den Kopf zerbrochen. Danach wurde ich auch schon oft gefragt. Ich habe bereits eine umfangreiche Liste erstellt, aber bisher noch keine wirklich gut pflegbare öffentliche Lösung gefunden.

Lower Rhine Underground hat das in seinem Instagram Profil schon ganz praktisch sortiert - ich kann sehr empfehlen da mal reinzuschauen.


Als Promotionplattform ist man natürlich nicht nur der Verteiler verschiedener Posts, sondern ist viel mit Networking beschäftigt. Gibt es andere Plattformen oder Kanäle zu denen du Beziehungen pflegst, oder gemeinsam Promotion gefahren wird? Was würdest du Bands empfehlen um ein anständiges Netzwerk aufzubauen, was für viele Bands ja nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln zu seien scheint.

Ein gutes Netzwerk aufzubauen ist schon ein Knackpunkt aber letztendlich super wichtig.
Ich glaube, gerade am Anfang hilft es deshalb mehr, wirklich Teil der Szene zu sein, als möglichst viele Instagram-Follower zu sammeln - auf Konzerte gehen, Leute kennenlernen, andere Bands unterstützen und Kontakte pflegen.

Plattformen wie BackstagePRO oder showcase.nrw können wahrscheinlich zusätzlich helfen.
Ich glaube, da muss man grundsätzlich ein bisschen Geduld haben. Viele Veranstalter planen Monate im Voraus und man muss hier und da auch öfters mal anfragen, wenn sich nicht sofort was ergibt. Wichtig ist überhaupt erstmal anzufangen und dann auch dranzubleiben. Ich helfe natürlich auch immer gern, einen Aufruf zu teilen oder Kontakt herzustellen.





Wie sehen deine Pläne für die Zukunft von NRW Doom aus?

Mein wichtigster Plan ist erstmal, NRW Doom so lange wie möglich am Leben zu halten.
Mir macht es nach wie vor Spaß, mich mit Leuten auszutauschen, neue Musik zu entdecken und Bands oder anderen Leuten aus der Szene einen Mehrwert zu bieten. NRW Doom ist und bleibt ein Liebhaberprojekt und eine One Woman Show - etwas, dass ich in meiner Freizeit betreibe - deshalb ist der zeitliche Faktor immer ein Thema.

Es ist schön zu sehen, dass die Szene lebt - es gibt ständig neue Bands und Konzerte zu entdecken, und ich möchte gern weiterhin ein Teil davon bleiben und meinen kleinen Beitrag leisten.


Wie können Bands dich erreichen um Teil von NRW Doom zu werden um hier etwas Promo zu bekommen?

Schreibt mich ganz unkompliziert auf Instagram an, taggt mich in euren Beiträgen/in eurer Story, ladet NRW Doom als Collab Partner ein. Ich freue mich immer, wenn ich für ein bisschen Promo sorgen kann!





Um weiter auf dem Laufenden über die Stoner, Doom und Sludge Szene in NRW zu bleiben, schaut doch mal bei NRW Doom vorbei:






Vielen Dank an Susann von NRW Doom für die ausführlichen und ehrlichen Antworten zu meinen Fragen. Was für mich persönlich ein wichtiges Thema bei diesem Interview war, neben der NRW Doom Plattform natürlich, war der kritische Blick auf den Umgang mit den sozialen Medien. Manchmal merken wir in unserem Alltag nicht, welchen Einfluss die Versuchungen von Instagram, Facebook, WhatsApp, YouTube & Co. haben und ich danke hier Susann auch nochmal, dass sie uns hier einen so privaten und ehrlichen Eindruck gegeben hat. Geht mal wieder raus und geht auf Konzerte... wenn ihr da auf dem Laufenden bleiben wollt, habt ihr jetzt vielleicht eine neue Anlaufstelle.

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